Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Kolloquium

Funny Games mit Matthias Bernd Wannhoff

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 28.04.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Filmlektüre als Medienarchäologie: Verstehen versus Technik in FUNNY GAMES

FUNNY GAMES von Michael Haneke (Österreich 1997; US-Remake 2007) ist ein skandalöser Film. Zum einen entzieht sich sein Stoff einem unmittelbaren diskursiven oder hermeneutischen Nachvollzug: Handelt er doch von zwei  Männern, die offenbar motivlos in das Ferienhaus einer Familie eindringen, um diese zu foltern und sukzessive zu töten. Zum anderen bricht der Film mit jener Alltagserfahrung, derzufolge Medien im Moment ihrer Nutzung in der Regel „unsichtbar“ werden: Denn Haneke lässt technische Medien wie Fernsehen und Video selbst in die Diegese einwandern, bis beide Ebenen miteinander identisch werden und die Handlung mittels intradiegetischer Fernbedienung von einem der beiden Verbrecher selber zurückgespult wird.

Hanekes Film ist in seiner akademischen Rezeption bislang vornehmlich unter (medien-)soziologischen Gesichtspunkten diskutiert worden. Demgegenüber behauptet der hiesige Vortrag, dass das „Nicht-Verstehbare“ im Handeln der beiden Film-Mörder zusammenfällt mit dem „Unlesbaren“ in Gestalt von Medientechnologien, wie sie ihrerseits unablässig die Erzählung kreuzen. Theoretischer Ausgangspunkt ist hierbei, dass sich die Lehre vom Verstehen alias Hermeneutik seit ihrer Entstehung maßgeblich der Exegese von Schriftstücken gewidmet hat, wohingegen apparative Medien den Menschen, also das vermeintliche Subjekt des Verstehens, stetig in seinen Perzeptions-, Gedächtnis- und Verarbeitungsleistungen überholen. Anhand einer Lektüre von Hanekes Film am Leitfaden von Oppositionen wie Mensch vs. Medium, Hermeneutik vs. Nachrichtentheorie oder Linearität vs. Nicht-Linearität wird mithin ein interpretatorischer Zugang erprobt, der als „medienarchäologische Filmanalyse“ umschrieben werden könnte.

Soirée mit Horst Völz, Frank Winkler & Wolfgang Ernst

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 05.05.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Im Jahre 1930 hielt Albert Einstein zur Eröffnung der Berliner Funkausstellung eine Rede, die sich wie das Programm einer Medienarchäologie avant la lettre liest. Seitdem sind 80 Jahre vergangen, die von dramatischen Epochenwechseln der Medienkultur, ihrer Epistemologie und Techniken gekennzeichnet waren. Zeitzeuge dieser Epoche ist Professor Horst Völz, der das glorreiche Handwerk des Rundfunkmechanikers noch elementar gelernt hat, später die Elektronik magnetischer Speicher wesentlich fortentwickelte, sich dann als Informationstheoretiker an der Humboldt-Universität zu Berlin habilitierte und schließlich als Gründungsdirektor des Zentralinstituts für Kybernetik und Informationsprozesse in Berlin den vielzitierten Umbruch vom „Analogen“ zum „Digitalen“ miterlebte und mitprägte. Wolfgang Ernst (Lehrstuhl Medientheorien) und Dr. Frank Winkler von der Technischen Informatik in Berlin-Adlershof gestalten einen universitätsöffentlichen Gesprächsabend mit Horst Völz zu Fragen der Medienkultur des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive des jungen 21. Jahrhunderts.

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Isabell Schrickel: "Our laboratory is the medium itself": Epistemologische Dimensionen der Wettervorhersage (Magisterarbeit)

Isabell Schrickel: "Our laboratory is the medium itself": Epistemologische Dimensionen der Wettervorhersage (Magisterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 12.05.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Our laboratory is the medium itself*

Epistemologische Dimensionen der Wettervorhersage

Das Wissen der Meteore (Michel Serres) ist komplex, flüchtig, hintergündig, nur äußerst bedingt kalkulierbar und ihm haftet eine für unsere Geschicke kritische Zeitlichkeit an: Wetter konstituiert sich gerade in den mittleren Breiten in einer mehr oder weniger ausgedehnten Gegenwart. Die Atmosphäre hat kein Gedächtnis, sagen Meteorologen, und so müssen die Medien des Wetters den dynamischen und instabilen Charakter aktualiter übertragbar und verarbeitbar machen, statt ihn klassisch naturgeschichtlich zu speichern.

Die Arbeit versucht einerseits ein umfangreiches und bisher weniger im Fokus wissenschaftshistorischer oder medienwissenschaftlicher Forschung liegendes Material zu erschließen und vorzustellen, und andererseits durch die historische und systematische Rekonstruktion der ersten numerischen Wettervorhersage 1950 auf dem ENIAC einige Elemente einer Epistemologie der Simulation freizulegen, die möglicherweise in den historischen Praktiken der Wettervorhersage resonieren. Zu nennen wäre hier das Ethos wissenschaftlicher Koordinierung und Vernetzung in Forschungsgemeinschaften, die Konzeptualisierung der Welt als Labor, die zeitkritische Dimension des Problems oder die graphische / bildliche Emergenz von Atmomorphemen auf Wetterkarten oder Simulationsbildern.

*J. Smagorinsky


Teresa Busjahn: Lesekompetenz von Programmierern (Magisterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 19.05.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Perzeption von Software-Quelltext als einem elementaren Prozess im Kontext von Medienkompetenz

Gemäß dem in Berlin postulierten vierten Gebot der Medienwissenschaft, „Du sollst nicht nicht Programmieren können“, setzt Medienkompetenz ein Verständnis der Computer-immanenten Prozesse voraus. Software lässt sich auf verschiedenen Ebenen betrachten: Algorithmen beschreiben einen inhaltlichen Programmablauf, formalisiert z.B. als UML Diagramme, Programmiersprachen mit ihrer jeweils spezifischen Semantik und Syntax setzen Algorithmen um und bilden eine entscheidende Schnittstelle zwischen dem Medium Computer und einer spezifischen Nutzergruppe, den Programmierern. Unser gegenwärtiges Verständnis zur Perzeption von Quelltexten ist überraschend limitiert, trotz der ständig zunehmenden Quantität und Komplexität von Software sowie unserer Abhängigkeit von deren Qualität. Der Prozess des Lesens ist für „normalen“ Text, also z.B. belletristische oder wissenschaftliche Werke, vielfach untersucht worden. Die hieraus abgeleiteten Lesemodelle lassen sich jedoch nicht ungeprüft auf das Lesen von Quelltext übertragen. Hier setzt die Arbeit an und fokussiert dabei auf einen essentiellen Teil des Lesens: die Augenbewegungen. Methodisch wird diese Arbeit als eine empirische Untersuchung unter Verwendung des Eye-Trackings angelegt. Dieses nun auch in der Medienwissenschaft verortete Messverfahren wird bei einer Stichprobe aus Programmierern angewendet, dabei erfolgt eine Stratifizierung in Novizen und Experten.

Alan Fabian: Zum Stand der musikwissenschaftlichen Dinge (Dissertation)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 26.05.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Stand der musikwissenschaftlichen Dinge:

Die historische Musikwissenschaft hat sich – nicht nur in der Vergangenheit (!) – mit dem Verhältnis der beiden Einheiten Werk und Komponist beschäftigt: Mit den „Erfindungen“ musikalischer Ideen, die ihren „Ursprung“ im Komponisten-„Genie“ haben und sich in der „Einheit seines Werks“ auffinden lassen; den „Entwicklungen“ dieser genialen Einfälle, die sich in der „Kontinuität“ einer jahrtausendealten europäischen Musik-„Tradition“ werkhaft nachverfolgen und damit nacherzählen lassen; den „Einflüssen“ der Komponisten und ihrer Werke untereinander, die einen komponistischen Gesamt-„Geist“ hervorrufen. (Die Begrifflichkeiten der Ideengeschichte sind hier zitiert nach Foucaults „Archäologie des Wissens“.)

Foucault ruft:

Dass der allergrößte Teil der Musikwissenschaffenden seit nun fast 40 Jahren den Aufruf Foucaults das Ende einer solchen Ideengeschichtsschreibung, einzugestehen und den Zuruf die Unordnung und die Unfassbarkeit der zeitlichen Ereignisse zuzulassen – sowie die zugehörigen zeitgeschichtlichen Ordnungsregeln in Ausgesagtem – einfach so überhört hat, erscheint unverständlich, da die Foucaultsche Diskursanalyse in einer Vielzahl wissenschaftlicher Domänen längst als eine vieler möglicher Wissenschaftsmethoden selbstverständlich ist.

Musikwissen mittels Medienarchäologie

So stellt sich mir als Musikwissenschaftler, der Foucaults Rufe nicht überhören will, die Aufgabe, eine Wissensarchäologie der Musik zu (ver-)suchen. Diese (Musik-)Archäologie denke ich medienarchäologisch (Medienarchäologie im Anschluss an Foucault  nach Ernst), meint, ich beschreibe nicht nur diskursive Praktiken, die sich in Regelmäßigkeiten von Aussagen zur Musik auffinden, sondern auch die „non-diskursive[n] Praktiken“ musikalischer (Speicher-)Medien – Notenschrift, Partitur, Computer(programme). Grund dafür ist meine Frage nach dem Verhältnis von Auf-/Einschreibemedien der Musik und dem jeweils zugehörigen Musikdiskurs. Mein zeitgeschichtliches Fallbeispiel ist die Computer(kunst)musik der 50/60er Jahre in Europa und den USA. (Einen ähnlichen geschichtlichen Bruch wie die Computermusik stellt zum Beispiel auch die Mensuralmusik des Mittelalters Ende des 13. Jahrhunderts dar.)

Computermusikprogramme, „Free Stochastic Music“ (Iannis Xenakis) und „MUSICOMP“ (Lejaren Hiller):

Hier zeigen sich (non-)diskursive Praktiken nicht erst in geschichtlichen Beschreibungen, sondern in source codes für Computercompiler; das „Archiv“ als Musikwissensspeicher ist hier ablesbar, eingeschrieben in ausführbaren Computerprogrammen. In dieser Tatsache besteht die einmalige Möglichkeit, diskursive Reglementierungen an logisch (Computermusikprogrammen) und physikalisch (Computertechnologie) codierten Schaltungen abzulesen.

An Hand dieser (musik)medienarchäologischen Ergebnisse und der Aussagen der Zeit beschreibe ich dann die Aussageregelmäßigkeiten, die die Begriffsformation der Computer(kunst)musik bedingen. Schon das Aufzeigen der Durchführbarkeit dieser Methode an sich beantwortet eigentlich dann die Fragestellung des Verhälnisses musikalischer und medialer Praktiken: Was musikalisch aussagbar ist, das bedingen die non-diskursiven Praktiken, die in Computertechnologie eingeprägt sind.

Musikgeschichtsserien

Ziel der Arbeit ist es (Computer-)Musikgeschichte anders zu schreiben, nämlich seriell...

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Tobias Vogelgsang: Diagrammatische Zuverlässigkeit bei Lambert (Magisterarbeit)

Tobias Vogelgsang: Diagrammatische Zuverlässigkeit bei Lambert (Magisterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 02.06.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Johann Heinrich Lambert veröffentlicht 1765 seine „Theorie der Zuverläßigkeit der Beobachtungen und Versuche“. Darin legt er zum einen, noch vor Carl Friedrich Gauß, mit seiner Fehlertheorie ein Fundament für die in der Entstehung begriffene Stochastik. Zum anderen findet sich in der „Theorie der Zuverläßigkeit“ der vermutlich erste Graph, in dem sowohl empirische Beobachtungen wie die dazugehörige Gesetzmäßigkeit enthalten sind. Der Graph zeigt die magnetische Abweichung der Pole in Abhängigkeit von der Zeit. Im Vortrag soll der Moment ausgeleuchtet werden, in dem die mathematischen, technischen und künstlerischen Fähigkeiten von Lambert zusammenfließen und in der Summe den ersten Graphen seiner Art hervorbringen.

Perrin Saylan: Protected Code (Magisterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 09.06.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Protected Code – urheberrechtliche und technische Schutzmaßnahmen

Das Urheberrecht ist das zentrale Instrument zur Sicherung der eigentumsrechtlichen Interessen von geistigen Schöpfungen und Leistungen der Kreativwirtschaft. In den letzten Jahren hat es große Reformen gegeben, die das Urheberrecht an die neuen Bedingungen des digitalen Zeitalters anpassen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Reformbemühungen umfasst den Schutz technischer Maßnahmen zur  Sicherung elektronischer Werke sowie ihr Umgehungsverbot. Digitale Rechtekontrolltechnologien wie DRM sind ein umstrittenes Thema, da sie nicht nur Bereiche der Nutzung von Kopien zum privaten Gebrauch, sondern auch den angemessenen Interessenausgleich zw schen Rechtsinhaber und Nutzer berühren. Die Arbeit versucht einerseits eine medienwissenschaftliche Betrachtung einiger ausgewählter Verfahren des technischen Schutzes vorzustellen, und andererseits die medienarchäologische Verortung vorzunehmen, die die epistemologischen Zusammenhänge von geheimer Nachrichtenübermittlung und kryptografischen Algorithmen aufzeigt. Die operativen Bedingungen des digitalen Codes und das wissenschaftliche Dispositiv der Verschlüsselung erweisen sich dabei als geeignete Instrumente, um neuzeitliche Kulturprodukte zu schützen, die zum Teil überhaupt durch ihre Technologien selbst hervor gebracht worden sind.

Paul Feigelfeld: Kryptologozentrismus um 1600

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 16.06.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Kryptologozentrismus um 1600 – Zur Entstehung der Buchstabenalgebra zwischen  Camera obscura und Cabinet Noir

Der Vortrag betrachtet die Zusammenhänge zwischen Filippo Brunelleschis und Leon Battista Albertis Arbeiten zur Zentralperspektive, Gutenbergs Setzerkästen und Albertis Kryptologie als notwendige Vorbedingung für François Viètes Entwicklung einer «règle infaillible» zur Kryptoanalyse einerseits und der Buchstabenalgebra in „In artem analyticam Isagoge“ [1591] andererseits. Im Übergang von der Kultur- zur Medientechnik entsteht so das eigentliche Signum der neuzeitlichen Wissenschaft: die Formel.

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Shintaro Miyazaki: AlgorhythmicSorting - Ein Opensource-Tool für die sonische Erkundigung von Sortierungs-Algorithmen

Shintaro Miyazaki: AlgorhythmicSorting - Ein Opensource-Tool für die sonische Erkundigung von Sortierungs-Algorithmen

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 23.06.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Der Vortrag wird aus zwei Teilen bestehen: Der erste wissenschaftliche Teil fasst den Hauptgedanken meiner laufenden Dissertation zusammen, nämlich dass durch den Fokus auf den Rhythmus von algorithmischen Prozessen und den dazugehörigen Signalen und physikalischen Effekten, die Technomathematik und Physik des Digitalen besser als bisher erspürt werden kann.

Im zweiten Teil werde ich „AlgorhythmicSorting“ ein laufendes Software-Projekt, das ich mit Michael Chinen (Programmierer/ Computermusiker) entwickelt habe, präsentieren (im Moment nur für OSX).

Ich freue mich auf die anschliessenden Diskussionen. Die Software kann hier runtergeladen werden: http://bit.ly/a1sxP9

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Jan Wöpking (Excellenzcluster Topoi) über ein Modell diagrammbasierter Kognition

Jan Wöpking (Excellenzcluster Topoi) über ein Modell diagrammbasierter Kognition

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 30.06.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Ein Modell diagrammbasierter Kognition.

Thema meines Vortrags ist die Frage, wie wir mit Diagrammen denken. Im Zentrum meiner Ausführungen stehen dabei (i) die spezifische Räumlichkeit von Diagrammen und wie sie mit dem dargestellten Informationsgehalt zusammenhängt und (ii) die Frage, was in und zwischen Konstruktion und Observation eines Diagramms in kognitiver und epistemischer Hinsicht geschieht. Ich möchte dazu ein Modell diagrammatischen Denkens als eines distribuierten, erweiterten und verkörperten Denkens zur Diskussion stellen. Die systematischen Überlegungen möchte ich außerdem mit historischen Bemerkungen, etwa zu Nicole Oresmes Konfigurationsdoktrin oder Galileo Galileis geometrischer Physik ergänzen.

Henry Westphal: Kennlinien Klirrspektren und Klangeindrücke

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 07.07.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Zu Gast ist Henry Westphal von der TU Berlin, der über Kennlinien, Klirrspektren und Klangeindrücke sprechen wird:

  • Grundsätzliche Funktion klassischer Röhrenschaltungen
  • Entstehung von spezifischen Obertönen aus den bei klassischen Schaltungen wirksamen Kennlinien
  • Grundsätzliche Funktion symmetrischer Röhrenschaltungen
  • Entstehung von spezifischen Obertönen aus den bei symmetrischen Röhrenschaltungen wirksamen Kennlinien
  • Grundsätzliche Funktion von üblichen Transistorschaltungen
  • Entstehung von spezifischen Obertönen aus den bei üblichen Transistorschaltungen wirksamen Kennlinien
  • Vergleich der mit den einzelnen Schaltungen entstehenden Obertonspektren
  • Hörwahrnehmung bezüglich verschiedener Obertonspektren
  • Schlussfolgerungen für die Auswahl von Verstärkerschaltungen für verschiedene Einsatzzwecke, Hörerwarungen und Musikstile

Dr. Ralf Bülow über ein Patent zur vollmechanischen Programmierung von 1926

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 14.07.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Das Semester endet mit einem Besuch von Dr. Ralf Bülow vom Kieler Zentrum für Kultur- und Wissenschaftskommunikation. Er spricht am kommenden Mittwoch um 18 Uhr im Medientheater über „Ein medienarchäologisches Fundstück: Ein Patent zur vollmechanischen Programmierung von 1926“:

Am 30. September 1926 meldete der Berliner Ministerialbeamte Emil Schilling eine „Steuerungsvorrichtung für Rechenmaschinen o.dgl.“ zum Patent an. Dahinter verbirgt sich ein Vorläufer des Computers und der Textverarbeitung im Geiste des automatischen Klaviers…

Sebastian Döring: Projekt „Medienarchäologischer Fundus Online“

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 03.11.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Medienarchäologischer Fundus goes online – Projekt aus dem Multimedia Förderprogramm HUB 2009

(http://www.medientheorien.hu-berlin.de/foswiki/bin/view)

Apparative Medien sind Teil unseres kulturellen Erbes. Seit 2003 wird am Lehrstuhl für Medientheorien ein Fundus an medientechnischen Artefakten vornehmlich des 19. und 20. Jahrhunderts aufgebaut. Um die Objekte der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde im Rahmen des drittmittelgeförderten Projekts „Medienarchäologischer Fundus Online“ ein Online-Katalog erstellt, der sich in den kommenden Jahren durch studentische (Haus-)arbeiten zu einer medienepistemologischen Wissensdatenbank erweitern wird.

Wie das aussehen kann, zeigen Perrin Saylan und Sebastian Döring am Nachbau des ersten Berliner-Grammophons, den Perrin Saylan unter Ingolf Haedickes kundiger Leitung im letzten Jahr angefertigt hat.

Prof. Dr. Horst Völz: Kompliziert – komplex – Komplexität (Teil I)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 10.11.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Der Gebrauch der Begriffe ist recht unterschiedlich und meist nicht definiert. Es werden mögliche und einleuchtende Definitionen gegeben. Für den sehr verbreiteten Gebrauch von Komplexität in den verschiedenen Wissenschaften werden Beispiele dargestellt. Insbesondere wird auf die Messbarkeit von „Kompliziert“ und „Komplexität“ eingegangen. Lediglich für die Theoretische Informatik gibt es eine exakte Definition der Komplexität, die eigentlich nur für unendlich viele Variablen gilt. Sie führt zu den Grenzen der Berechenbarkeit mit den Problemklassen P und NP. Bei weiteren Anwendungen von Komplexität ergeben sich deutliche Unterschiede z. T. sogar Widersprüche in der Benutzung. Neben der Darstellung der Inhalte der drei Begriffe folgen auch Empfehlungen, wie sinnvoll die drei Begriffe anzuwenden sind. Das umfangreiche Basismaterial der Folien wird im Internet verfügbar sein.

Prof. Dr. Horst Völz: Kompliziert – komplex – Komplexität (Teil II)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 17.11.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Der Gebrauch der Begriffe ist recht unterschiedlich und meist nicht definiert. Es werden mögliche und einleuchtende Definitionen gegeben. Für den sehr verbreiteten Gebrauch von Komplexität in den verschiedenen Wissenschaften werden Beispiele dargestellt. Insbesondere wird auf die Messbarkeit von „Kompliziert“ und „Komplexität“ eingegangen. Lediglich für die Theoretische Informatik gibt es eine exakte Definition der Komplexität, die eigentlich nur für unendlich viele Variablen gilt. Sie führt zu den Grenzen der Berechenbarkeit mit den Problemklassen P und NP. Bei weiteren Anwendungen von Komplexität ergeben sich deutliche Unterschiede z. T. sogar Widersprüche in der Benutzung. Neben der Darstellung der Inhalte der drei Begriffe folgen auch Empfehlungen, wie sinnvoll die drei Begriffe anzuwenden sind. Das umfangreiche Basismaterial der Folien wird im Internet verfügbar sein.

Sascha Knaack: Aufmerksamkeit (Magisterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 24.11.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Der natürliche ungezwängte Zustand unserer Aufmerksamkeit ist herumzuschweifen zu immer neuen Dingen, und so wie das Interesse eines Objektes erschöpft ist, so wie wir nichts Neues mehr daran wahrzunehmen wissen, so geht sie wider unseren Willen auf anderes über. Wollen wir sie an ein Objekt fesseln, so müssen wir eben an diesem selbst immer Neues zu finden suchen, besonders wenn andere kräftige Sinneseindrücke sie abzulenken streben.“
Hermann von Helmholtz: Handbuch der physiologischen Optik, Bd. 3, Hamburg/Leipzig, 1909–1911

„Hieraus folgt aber nicht, daß die Aufmerksamkeit etwas Leichtes sey. Sie erfordert vielmehr eine Anstrengung, da der Mensch, wenn er den Einen Gegenstand erfassen will, von allen Anderen, von all den tausend in seinem Kopf sich bewegenden Dingen, von seinen sonstigen Interessen, ja sogar von seiner eigenen Person abstrahiren–und, mit Unterdrückung seiner die Sache nicht zu Worte kommen lassenden, sondern vorschnell aburtheilenden Eitelkeit, starr sich in eine Sache vertiefen, dieselbe, – ohne mit seinen Reflexionen darein zu fahren,– in sich walten lassen oder sich auf sie fixieren muss. Die Aufmerksamkeit enthält also die Negation des eigenen Sichgeltendmachens und das Sich-Hingeben an die Sache.“
Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Die Philosophie des Geistes, Bd. 10, Stuttgart, 1942

In dem Begriff „Aufmerksamkeit“ erscheinen Gegensätze wie Starre und Bewegung, Neu und Alt, Anwesenheit und Abwesenheit auf erzwungene Weise verschränkt und getrennt: Wenn man ein Symbol für Aufmerksamkeit suchen sollte, wäre ein geöffnetes Auge eine mögliche Lösung - die nötige Ergänzung wäre sicherlich auch ein verschlossenes Ohr. Dem Riesen Argus mit seinen hundert Augen, deren fünfzig schliefen, bis sie wieder an die Reihe kamen aufzuwachen, könnte man aus antiker Personage, Kairos, den Gott des günstigen Augenblicks beigesellen, Teiresias, den blinden Seher, wenn nicht Hermes mit seinem Grossvater Chronos selbst.

Die Tätigkeit des „Aufmerksamseins“ kann man als eine Operation beschreiben, deren Imperativ die Unumkehrbarkeit der Zeit selbst ist. Nachrichten, die nicht in diese Operation aufgenommen werden - fallen dem Rauschen anheim, sie werden nicht weitergetragen und nicht berücksichtigt. „Aufmerksamkeit“ ist also Selektion und damit Exklusion, aber genau deshalb auch Rekursion, Verschaltung, sie leistet Kohärenz und Negentropie. So scheinen „Aufmerksamkeitprozesse“ dem Menschen tatsächlich die Zeit selbst erst zu gewähren und das in physiologischer, technischer und kultureller Dimension. Der Vortrag skizziert das Magisterprojekt, sich dem Begriff der „Aufmerksamkeit“ in epistomologischer und medienarchäologischer Weise zu nähern, um ihn als einen Schlüsselbegriff für die Medienwissenschaft zu akquirieren; denn Medien induzieren, dispositionieren, instrumentalisieren und institutionalisieren „Aufmerksamkeitsweisen“ selbstredend in wesentlichem Masse.

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Sebastian Vehlken (Leuphana Universität Lüneburg): Mit (dem) Strom schwimmen. Eine Mediengeschichte der Schwarmforschung zwischen Biologie und Computersimulation (Dissertation)

Sebastian Vehlken (Leuphana Universität Lüneburg): Mit (dem) Strom schwimmen. Eine Mediengeschichte der Schwarmforschung zwischen Biologie und Computersimulation (Dissertation)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 01.12.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Schwärme oszillieren zwischen Verteilung und Verdichtung, zwischen Vielheit und Einheit. Aus der Ferne scheinen sie als Gesamtheit erfassbar, ohne dass dadurch auf das Verhalten einzelner Schwarm-Individuen ruckgeschlossen werden könnte. Und je näher man ihnen kommt, je analytischer der Blick auf sie wird, desto mehr stört ihr Bewegungsrauschen den Zugang zu einem Wissen über ihre Operationsweisen. In der Mediengeschichte biologischer Schwarmforschungen scheitern seit 1900 verschiedenste wissenschaftlich-apparative Zugänge am „Nicht-Objekt“ Schwarm. Erst indem Schwärme als dynamische Systeme seit den 1990ern zu einem Einsatzgebiet für Computersimulationen und deren visuelle Synthetisierungen werden, wird der Zusammenhang ihrer lokalen und globalen Dynamiken klarer. In Computeranimationen kreuzt sich dabei eine Informatisierung der Biologie mit einer gleichzeitigen Biologisierung der Informatik: Während künstliche Multiagentensysteme neue Zugänge zu biologischen Schwärmen eröffnen, orientieren sich Programmierparadigmen zunehmend am Relationen-Wissen der Biologie. Diese gleichzeitige Operationalisierung von und das Operieren mit  Schwärmen verdichtet ihr Rauschen zu Wissens-Figuren.

Sebastian Vehlken ist seit Oktober 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ICAM Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien der Leuphana Universität Lüneburg. Zuvor war er von 2007 an Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Epistemologie und Philosophie Digitaler Medien am Institut für Philosophie der Universität Wien. Er studierte Film- und Fernsehwissenschaften, Publizistik und Wirtschaftswissenschaft in Bochum und Media Studies in Perth. 2002 wurde er mit dem 3. Preis des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung ausgezeichnet. 2005 bis 2007 war er DFG-Stipendiat im GK Mediale Historiographien der Bauhaus-Uni Weimar. Seine Dissertation trägt den Titel „Schwärme. Medienkulturen der Intransparenz“. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Theorie und Geschichte Digitaler Medien, Medien in der Biologie, Ozeane als Wissensräume, Beraterwissen und die Epistemologie der Computersimulation.

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Prof. Dr. Bernd Eylert, Professor für Mobilkommunikation/M-Commerce an der Technischen Hochschule Wildau, über die Medienwissenschaft aus Sicht eines Nachrichtentechnikers

Prof. Dr. Bernd Eylert, Professor für Mobilkommunikation/M-Commerce an der Technischen Hochschule Wildau, über die Medienwissenschaft aus Sicht eines Nachrichtentechnikers

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 08.12.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Der Vortrag ist der Versuch eines Diskurses von Medien, Nachrichtentechnik und Philosophie. Zunächst wird abgegrenzt, mit welchen Medien wir uns in diesem Kontext befassen wollen. Anschließend erfolgt eine Zeitreise durch die Entwicklung dieser Medien, ihre physikalischen Grundlagen, ihre Technologien und die Menschen, die dahinter stehen. Sie teilt sich auf in die Zeitepochen vor 1945, von 1945 bis 1988 und die Zeit danach. Nachrichtentechniker aller Couleur (Mathematiker, Physiker, Ingenieure) haben in diesen Zeiten besagte Medien kreiert, geprägt, letztendlich ihnen aber ihren Stempel aufgedrückt. Was hat sich verändert, wie hat es sich verändert, was ist von ihnen geblieben? Was sind Triebkraft und Motivation der Menschen, die mit ihrem Tun solch nachhaltige Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt haben? Gibt es einen philosophischen Anspruch, dem sich Nachrichtentechniker verpflichtet fühlen? Der Vortrag versucht, auch darauf eine Antwort zu geben.

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Kohei Suzuki (Kobe Universität, JSPS Research Fellowship): „Geometrie der hellen Kammer – Über den polykularen Blick der Photogrammetrie“

Kohei Suzuki (Kobe Universität, JSPS Research Fellowship): „Geometrie der hellen Kammer – Über den polykularen Blick der Photogrammetrie“

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 05.01.2011 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Obwohl photogrammetrische Bilder in den heutigen Bildwelten allgegenwärtig sind, sieht es danach aus, als ob sie „transparent“ wären. Diese scheinbare Transparenz könnte schon ein mediales Phänomen, also eine große Anregung zur Medienwissenschaft, sein. In diesem Vortrag möchte ich versuchen diese paradoxe Situation zu widerstehen.

Im ersten Teil wird kurz erläutert, wie transparent die Photogrammetrie in den heutigen Bildwelten ist. Im zweiten Teil möchte ich die Entwicklungsgeschichte der Photogrammetrie kurz erklären. Dabei beschränke ich den Zeitraum nur auf ihre Frühzeit (von 19. Jahrhundert bis zur Vorkriegszeit in 20. Jahrhundert). Diese zeitliche Beschränkung hat mit meiner Hypothese zu tun, dass sich die Besonderheit der photogrammetrischen Bilder in keinem monokularen, sondern polykularen Blick ausprägt. Diese Besonderheit kann man schon in ihrer Frühzeit bemerken. Die letzten zwei Teile möchte ich der theoretischen Überlegung über den photogrammetrischen Gedanke widmen. Dabei möchte ich in diesem Kontext besonders Johann Heinrich Lamberts Phänomenologie beachten. Zudem möchte ich einen Anfangspunkt der Genealogie der Photogrammetrie von der Photographie auf ein anderes optisches Medium verschieben, und zwar auf „camera lucida“ (auf Deutsch; die helle Kammer). Anders als „camera obscura“ wird „camera lucida“ zwar wie ein Stiefkind in der Geschichte der optischen Medien behandelt. Aber gerade sie kann man neben dem Stereoskop und der Photographie als eine Vorläuferin des photogrammetrischen Apparates verstehen.

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Prof. Dr. Stefan Weinzierl (TU Berlin) über das Fachgebiet Audiokommunikation und ihre aktuellen Forschungsprojekte. Gegenvorstellung Sebastian Döring (HU Berlin)

Prof. Dr. Stefan Weinzierl (TU Berlin) über das Fachgebiet Audiokommunikation und ihre aktuellen Forschungsprojekte. Gegenvorstellung Sebastian Döring (HU Berlin)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 15.12.2010 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Musik als akustischer Kommunikationsprozess.

Aktuelle Forschungsprojekte am Fachgebiet Audiokommunikation der TU Berlin.

Musik kann als ein Kommunikationsprozess verstanden werden, bei dem ein kreativer Gedanke vielfältigen Transformationen ausgesetzt ist, bis er für den Hörer erfahrbar wird. Der Vortrag gibt einen Überblick über aktuelle Untersuchungen, die sich mit diesen Transformationsprozessen beschäftigen. Sie reichen von der musikalischen Interpretation über die Aufführung in verschiedenen akustischen Umgebungen, die tontechnische Musikbearbeitung bis zum situativ-medialen Kontext der Musikrezeption. Vorgestellt werden die dabei verwendeten Forschungswerkzeuge, sowie Hörbeispiele, die deren Einsatz illustrieren.

Der dunkle Raum, ein die Lichtung suchendes Fragment.

Die technische Optik ebenso wie die technische Akustik galten in der frühen Wissenschaftsforschung schwerlich als den Wissenschaften zugehörig, obwohl gerade durch sie und in ihnen das Wissen gewonnen wurde, das die ‚reine‘ Wissenschaft als ihren theoretischen Schatz hütet. Mehr noch sind diese technischen Disziplinen eben jener epistemologische Ort, an dem Wissen selbstbezüglich wird und Kultur- und Medientechnik hervorbringt.

An einem taschenspielerischen Querbezug zwischen der Arraytechnologie der Akustischen Kamera aus dem 21. Jhd. und der Laborsituation Isaac Newtons im 17.Jhd. will Sebastian Döring auf der Suche nach der Ur-Schrift Derridas (oder auch der Lichtung Heideggers) den dunklen Raum in der mathematischen Optik beleuchten, um hoffentlich eine rekursive Figur zu finden.