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Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

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Zeitfalten: Die Unverzüglichkeit des Analogcomputers und seine medienepistemologische Konsequenz (das zeitliche Kriterium von Simulation)

Wolfgang Ernst

Donnerstag, 12.04.2012, 14:30–15:15 Uhr.

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Abstract

Eine unbezweifelbare Stärke des elektronischen Analogrechners lag in Zeiten, als Digitalcomputer noch nächtelang rendern mußten, um komplexe Prozesse zu rechnen, im Zeitbereich. Echtzeit und beliebige Manipulation der Zeitachse (Verlangsamung, Beschleunigung) waren Tugenden, die in dieser Form chronotechnischer Handhabung eine Figur von medienepistemologischer Dimension zeitigte: die Simulation als Form transitiver (und transienter) Mathematik. Der Beitrag legt seinen Azent auf einer dreifachen Zeitlichkeit: einerseits die bestenfalls parahistorische Weise, wie sich der Analogcomputer der gängigen Technikgeschichtsschreibung fügt; zweitens die Echtzeittugenden des elektronischen Analogrechners als ein herausragende Qualität; schließlich die Zeitfalten als Kriterium von Simulation gegenüber einer bloßen Emulation. Das ganze Verhältnis aber kehrt sich um, seitdem digitale Systeme Analogrechner ihrerseits durch Digital Signal Processing simulieren - ein weiteres Dementi aller Mediengeschichte.

Vortrag zum Download

ernst-zeitfalten.pdf

Kurzvita

Wolfgang Ernst studierte Geschichte, Archäologie und Latein an den Universitäten Köln, London und Bochum. Er promovierte zur Geschichtsästhetik von Antikensammlungen und war als Referent bei der Studienstiftung des deutschen Volkes tätig. Als Gastdozent lehrte Wolfgang Ernst in Leipzig und in Kassel. Er verbrachte ein Forschungsjahr am Deutschen Historischen Institut in Rom und arbeitete in der Forschungsgruppe Kultursemiotik am Forschungsschwerpunkt Literaturwissenschaft in Berlin mit. Von 1995 bis 1999 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter für Theorie und Archäologie der Medien im Kunstkontext an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Zwischen 1997 und 2003 vertrat er mehrere Professuren an der Bauhaus-Universität Weimar, der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Paderborn und der Humboldt-Universität zu Berlin. Wolfgang Ernst arbeitete mit dem bootlab Berlin zusammen und nahm an dem Projekt Medientheater von Till Nikolaus von Heiseler teil, in dem es um experimentelle Theorieformate geht.