Humboldt-Universität zu Berlin - Musikwissenschaft

Gastvorlesungsreihe im Wintersemester 2026/27

Collegium Musicologicum, Am Kupfergraben 5, 10117 Berlin, Raum 501, Beginn der Vorträge: 18 Uhr s.t.

  • Donnerstag, 15. Oktober 2026, 18 Uhr

Anne Zeitz (Universität Rennes 2)
Bastien Gallet (freischaffender Autor und Verleger Éditions MF)
Listening, Waiting, Anticipating

Anne Zeitz
Anne Zeitz beschäftigt sich mit Formen der auditiven Aufmerksamkeit, die beim Lauschen auf Wetterphänomene und insbesondere bei Ihrer Vorhersage, Vorwegnahme oder Vorahnung zum Tragen kommen. Sie verbindet Überlegungen aus den Bereichen Sound Studies, Musikwissenschaft, Medientheorie und Philosophie mit literarischen und filmischen Darstellungen des Hörens des aktuellen und des zukünftigen Wetters. In ihrem 2026 erschienenen Buch L'Ecoute s'il Pleut (MF Verlag),  begegnen sich Forscher des 19. Jahrhunderts – insbesondere Luke Howard, Adolphe Quetelet und Robert Fitzroy – und die Protagonisten der Romane Walden (1854) von Henry David Thoreau – einer autobiografischen Erzählung – und Sturz in die Sonne (1922) von Charles Ferdinand Ramuz sowie Figuren aus den Filmen Take Shelter (2011) von Jeff Nichols, Memoria (2021) von Apitchatpong Weerasethakul und Minority Report (2002) von Steven Spielberg. Mit deren Wahrnehmungen von Wetterphänomenen in Zusammenhang gebracht werden sowohl Entwicklungen der Meteorologie und Klimatologie, als auch ältere Traditionen des hellseherischen und mantischen Hörens. Diese Reflexion über die auditive Antizipation geht einher mit der Analyse sinnlicher Erfahrungen, die auf das noch Nicht-Geschehene ausgerichtet sind, und im weiteren Sinne Formen des Hörens der Zukunft.

Bastien Gallet
In L'Ecoute s'il Pleut beschreibt Anne Zeitz verschiedene mögliche Formen dessen, was man als vorausschauendes Zuhören bezeichnen könnte (das Zuhören auf das, was noch nicht stattgefunden hat, vom ahnungsvollen Gewitter bis zum Weltuntergang). Anhand der Untersuchung einiger Werke der zeitgenössischen komponierten Musik möchten wir aufzeigen, inwiefern solche Formen des Zuhörens einen besonders relevanten Leitfaden darstellen, um über die Form dieser Musik und die Art der Beziehung nachzudenken, die sie zu ihren Zuhörer*innen aufzubauen versucht. Während die vollständig serielle Musik der 1950er Jahre das das vorausschauende Hören bekanntlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht hat und die Zuhörer*innen dazu zwang, eine fast reine Gegenwart zu erleben, so kam es in den 1970er und 1980er Jahren zur Rückkehr von Formen der auditiven Antizipation (wir denken dabei insbesondere an die spektrale Musik), allerdings in einem neuen Sinne, der sich nicht mit den Hörweisen identifizieren lässt, die in der postromantischen und modernen Musik vorherrschten. Wie hört man das, was kommt, ohne es vorwegnehmen zu können? Die Zeit hat sich geöffnet (und die Zukunft unbestimmt gemacht), die zeitgenössische Musik hat dieses Prinzip nicht in Frage gestellt. Doch sie streut diese Zeit mit mehrdeutigen Zeichen, die der Interpretation des Zuhörers oder der Zuhörerin überlassen bleiben: Er oder sie wird zum Hermeneutiker oder Orakel, und sein oder ihr Hören wird zu einer ästhetischen und semiotischen Erfahrung. In Ermangelung einer Struktur muss man lernen, anders zuzuhören.

 

Anne Zeitz ist Professorin für Bildende Kunst an der Universität Rennes 2. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der auditiven Aufmerksamkeit, dem Unhörbaren, der Polyphonie sowie den Formen des Zuhörens, die durch bestimmte zeitgenössische künstlerische Praktiken ins Spiel gebracht werden. Sie leitete die Forschungsprojekte „Sound Unheard“ (2019/2020) und „Polyphone“ (2021–2023), war Herausgeberin der Sammelbände "Sound Unheard" (Kunsttexte, 2020) und "Polyphone" (2021) und Mitorganisatorin des Seminars "Exhibiting Polyphony" (DFK Paris, 2021–2023). Sie war Kuratorin verschiedener Kulturprogramme und Ausstellungen, unter anderem für das Musée des Beaux-Arts in Rennes (2019), die Gaîté Lyrique (2019), das Goethe-Institut Paris (2019), die Kunstsammlung Gera (2021) und das Musée d’art et d’histoire Paul Éluard in Saint-Denis (2022). Ihr Buch L’Ecoute s’il Pleut erschien 2026 im Verlag MF.

Der in Paris geborene Bastien Gallet ist Autor (in unterschiedlichen Bereichen) und Verleger (beim Verlag MF). Er war Produzent bei France Culture, Chefredakteur der Zeitschrift "Musica Falsa", Leiter des Festivals "Archipel" in Genf und Stipendiat an der Académie de France in Rom (Villa Medici). Er lehrte Philosophie und Kunsttheorie an der École nationale des beaux-arts in Lyon und an der Hochschule für Kunst am Rhein. Er ist Autor von Romanen, Essays über Musik sowie zahlreicher Texte und Artikel zu den Themen Musik, bildende und klangliche Kunst, Literatur, Theater und Philosophie. Er verfasst Opernlibretti und Drehbücher, ist Kritiker für die Zeitschrift "AOC" und widmet sich gelegentlich der Performance.

 
  • Donnerstag, 29. Oktober 2026, 18 Uhr

Federica Rovelli (Universität Pavia)
Modelle musikalischer Schaffensweisen. Epistemische Voraussetzungen genetischer Visualisierungen

Musikalische Schaffensweisen werden in der Forschung häufig als Abfolgen unterscheidbarer Zustände, Phasen und dokumentarischer Zeugnisse rekonstruiert. Solche Modelle haben wesentlich dazu beigetragen, komplexe Überlieferungslagen zu ordnen und kompositorische Genesen nachvollziehbar zu machen. Zugleich geraten sie dort unter Spannung, wo sich Arbeitsdokumente als polyfunktional erweisen, Funktionen wechseln, frühere Zustände erneut relevant werden oder sich Prozesse nicht eindeutig in klar voneinander abgrenzbare Phasen gliedern lassen.

Der Vortrag untersucht die epistemischen Voraussetzungen narrativer wie visueller Modellierungen in vergleichender Perspektive. Ausgehend von ausgewählten Beschreibungs- und Klassifikationsmodellen wird gefragt, welche Einheiten, Relationen und zeitlichen Ordnungen als relevant erscheinen – und welche Folgen dies für Terminologie und Vergleichbarkeit insgesamt haben kann. Besonders deutlich treten solche Voraussetzungen dort hervor, wo Prozessmodelle graphisch expliziert werden. An ausgewählten Visualisierungen wird daher untersucht, ob veränderte Darstellungsformen auch veränderte Prozessmodelle hervorbringen oder ob trotz erheblicher graphischer und technischer Unterschiede ähnliche epistemische Grundannahmen fortbestehen. Abschließend werden alternative Modellierungen erprobt, die von anderen Ausgangseinheiten ausgehen. Ziel ist nicht ein neues Universalmodell, sondern die Voraussetzungen genetischer Modellbildung sichtbar zu machen und zu prüfen, wie sich kompositorische Prozesse vergleichend beschreiben lassen, ohne historische Differenzen einzuebnen.

Federica Rovelli ist Associate Professor für Musikwissenschaft am Dipartimento di Musicologia e Beni Culturali der Universität Pavia. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der musikalischen Philologie, der genetischen Kritik, der Editionswissenschaft und den Digital Humanities. Ein besonderes Interesse ihrer Forschung gilt Beethoven und der Untersuchung musikalischer Schaffensweisen. Von 2012 bis 2014 war sie als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung am Beethoven-Haus Bonn tätig, von 2014 bis 2018 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Akademienprojekt Beethovens Werkstatt. 2019 war sie Visiting Scholar an der Boston University; seit 2019 ist sie Research Assistant an der Harvard University. Sie ist associée étrangère am ITEM in Paris und Mitglied des CNRS International Research Network Les ateliers de la création. Seit 2025 leitet sie die IMS Study Group Comparative Perspectives on Genetic Criticism.

 

  • Donnerstag, 12. November 2026, 18 Uhr

Eliot Bates (The Graduate Center, City University of New York)
A Fetish for Synthesizers: Inside Modular's Gear Cultures

For decades, research into contemporary popular and electronic music assumes that sociality around music represents either a scene, subculture, or tribe. However, much electronic music performance happens today at trade-show festivals, neighborhood technology user groups, and underground DIY venues where the focus is not on music, musicians, and their fandoms, but on gear—highly fetishized technical objects. Gear cultures, those novel social formations around gear, emerged during the first widespread internet sociality around niche, collectible, single-purpose technologies, but are not only online phenomena. As I will show, gear, and gear cultures, pose salient questions around agency, value, heritigization, and fetishization, and pose challenges to how we conduct ethnographic research. I will primarily discuss modular synthesizer gear cultures, touching upon one case study concerning the Superbooth trade-show festival, which has been held as a standalone event in Berlin every year since 2016.

Eliot Bates, Director of the Ethnomusicology program at The CUNY Graduate Center, is an ethnographer who researches the interface between people and sound/music technologies—including their design, materiality, instrumentality, and cultural milieus. Trained in ethnomusicology, from 2004-16 they researched these within Istanbul's recording studios, instrument-building factories and music industries. Since 2013, their work has broadened to consider European and North American gear cultures. Eliot and Samantha Bennett co-authored Gear: Cultures of Music and Audio Technologies (2025, MIT Press), and Eliot's latest book, A Fetish for Synthesizers: Inside Modular's Gear Cultures will be published in 2027 by Duke University Press.. Eliot is active in studio-based creative work, whether collaborative recordings featuring the oud, or makam-based electronic music in the solo project Makamqore and noise duo Manifestoon Platoon. They have contributed, as either performer, composer, or recordist, to more than 90 albums produced in the US, UK, Turkey and Italy.


  • Donnerstag, 3. Dezember 2026, 18 Uhr

David Brodbeck (University of California, Irvine, USA)
Rethinking Brahms's 'Political' Music

Although Johannes Brahms always kept himself well informed on the political issues of his day, he only rarely engaged these issues in his music. In my new book, Brahms Patriotic and Political, I offer a revisionary—and I hope rehabilitative—interpretation of the only three works in which contemporary sociopolitical matters stand very much to the fore. The first is a little-known set of Fünf Lieder für Männerchor, Brahms’s only essay in a genre that had been a prime medium for the expression of liberal-nationalist sentiment dating back to the years of Napoleonic domination of the German lands. The second is the Triumphlied, a massive choral-orchestral setting of biblical texts culled from the Book of Revelation, in which Brahms celebrated the German victory in the Deutsch-Französischer Krieg and the ensuing foundation of the German Reich. And the third is the Fest- und Gedenksprüche, three short settings of biblical verses for double choir a cappella that represents Brahms’s later contribution to the necessary project of instilling in the diverse German peoples a genuine sense of national belonging. I call into question the widespread belief that some of this music evinces embarrassing anticipations of later German militarism, jingoism, and national chauvinism. In this talk I highlight a few key points about each of these three "political works" by way of showing how an expansive examination of the historical contexts in which they were composed can reshape the way we have come to think about Brahms’s patriotic and political sensibilities.

David Brodbeck is Professor of Music, History, and European Studies, at the University of California, Irvine. His research has focused on Central European music and musical culture in the long nineteenth century and Anglophone rock music, and he has published on topics ranging from the dances of Schubert and the sacred vocal music of Mendelssohn to various aspects of Brahms’s music and on to intertextuality in recordings by the Beatles and the Beach Boys. Whereas much of his earlier work on Brahms and his circle explored connections between biography and musical analysis, his more recent work has been concerned with music in its sociopolitical contexts. His book Defining Deutschtum: Political Ideology, German Identity, and Music-Critical Discourse (Oxford University Press, 2014) was the recipient of both the Virgil Thomson Award, given by the ASCAP Foundation for the Outstanding Book in the Field of Music Criticism, and the Award for Excellence for a Book on Jewish Studies and Music, American Musicological Society. His talk today grows out of his latest book, Brahms Patriotica and Political (University of Rochester Press, 2025), which the critic for the American Brahms Society Newsletter has called a "magnificent new study" that shows a "mastery of historical context."

 

  • Donnerstag, 21. Januar 2027, 18 Uhr

Hella Melkert (Berlin; ehem. Arnold-Schönberg-Gesamtausgabe)
"Komponiert in Rottach-Egern, Traunstein, Berlin, Wien und Los Angeles." Zum neuen Verzeichnis der musikalischen Werke Arnold Schönbergs

Als letzter Band der Arnold Schönberg-Gesamtausgabe ist seit 2014 ein thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke Schönbergs in Arbeit, dessen Schlussredaktion nahezu abgeschlossen ist. Als Herausgeberin stellt Hella Melkert Inhalt, Aufbau und Vorgeschichte des Nachschlagewerks vor und geht dabei der Frage nach, worin die Aufgaben eines Werkverzeichnisses bestehen, wenn die Gesamtausgabe bereits vorliegt.

Helga Melkert (*1963 in Maastricht, NL)
Studium u. a. der Musiktheorie an der Musikhochschule in Maastricht (NL), anschließend der Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität zu Köln. Dort im Jahr 2000 Promotion bei Prof. Dr. Dietrich Kämper, mit einer Arbeit über die Chorwerke Luigi Nonos im Rahmen von dessen Prometeo. Von 1989 bis 2013 freiberufliche Tätigkeit als Musikpublizistin. Von Sept. 2013 bis Juli 2022 Wiss. Mitarbeiterin der Arnold Schönberg-Gesamtausgabe. Von März 2022 bis September 2023 Wiss. Mitarbeiterin der Bernd Alois Zimmermann-Gesamtausgabe.

 

  • Donnerstag, 28. Januar 2027, 18 Uhr

Jutta Toelle (Hochschule für Musik und Theater Hamburg)
Coram publico. Musiker*innen, Publikum und der Raum dazwischen

Abstract: tba

Jutta Toelle ist seit Oktober 2024 Professorin für Musikwissenschaft an der HfMT Hamburg. Zuvor war sie als Professorin für Angewandte Musikwissenschaft in Klagenfurt, Österreich, und als PostDoc am Max- Planck-Institut für Empirische Ästhetik in Frankfurt am Main tätig. Sie hat in Berlin und Venedig Musikwissenschaft und Geschichte studiert, an der HU Berlin promoviert (Musiksoziologie, Christian Kaden) und ein Jahr an der University of Chicago als Visiting Scholar verbracht.  Forschungsinteressen sind u.a. die italienische Opernindustrie, Musik in der Mission der Frühen Neuzeit und Musik in globalen und postkolonialen Zusammenhängen; derzeit beschäftigt sie sich mit Aspekten der musikalischen Live-Performance, mit Musiker*innen, Publikum und dem Erlebnis von Live-Musik.

 

 

  • Donnerstag, 04. Februar 2027, 18 Uhr

Marten Noorduin (Staatliches Institut für Musikforschung, SPK Berlin)
American Pianists and Anti-Americanism in Germany and Austria-Hungary around 1900

Im "Goldenen Zeitalter des Klaviers" um 1900 reisten tausende junger Amerikaner und Amerikanerinnen ins deutschsprachige Europa, um dort Klavier zu studieren. Zeitgenössische Berichte über diese besonderen Grand Tours zeigen, dass Antiamerikanismus – als Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten in kultureller, intellektueller, ja sogar biologischer Hinsicht unterentwickelt seien – im transatlantischen Kulturaustausch allgegenwärtig war. In diesem Vortrag werden die wichtigsten Erkenntnisse erörtert, die aus einem DFG-Projekt an der Musikhochschule in Lübeck (2022–2024) hervorgegangen sind und im Buch American Pianists and Anti-Americanism in Germany and Austria-Hungary around 1900 (The Boydell Press, 2026) zu lesen sind. Dokumentiert wird, mit Blick auf die Musikstädte Berlin, Weimar und Wien, wie Antiamerikanismus den transatlantischen Austausch selbst und den weiteren Weg der jungen Pianistinnen und Pianisten in ihrem Heimatland prägte.

Marten Noorduin studierte Klavier in Tilburg und Liberal Arts and Sciences an der Universität von Utrecht in den Niederlanden, bevor er nach England zog und 2016 an der Universität von Manchester mit einer Dissertation über Beethovens Tempobezeichnungen promovierte. Er hatte Postdoc-Stellen an der Fakultät für Musik und am St.-Cross-College der Universität Oxford sowie am Staatlichen Institut für Musikforschung in Berlin und an der Musikhochschule Lübeck. Seit 2025 ist er wieder am SIM in Berlin tätig, wo er ein DFG-Projekt über historische Orchesterprobenpraktiken in Berlin und London zwischen 1813 und 1869 leitet.
 

 

  • Donnerstag, 11. Februar 2027, (geänderte Veranstaltungsdauer) 18:00-20:30 Uhr

Maya Oppitz (HU Berlin)
Chiara M. Rubino (HU Berlin)
Iris Sophie Simon (LMU München)
Jüdische Chronik (1960/61). Gemeinschaftskomposition von Boris Blacher, Paul Dessau, Karl Amadeus Hartmann, Hans Werner Henze und Rudolf Wagner-Régeny im Kontext der Zeit
[Wiederholung des am 25. November 2026 in München abgehaltenen Symposiums hartmannforum. Mit Unterstützung des Archivs der Akademie der Künste.]

Kollektivkompositionen sind eine Seltenheit in der Musikgeschichte. Umso bedeutender ist die deutsch-deutsche Gemeinschaftskomposition "Jüdische Chronik" (1960/61) von Boris Blacher, Paul Dessau, Karl Amadeus Hartmann, Hans Werner Henze und Rudolf Wagner-Régeny auf einen Text von Jens Gerlach. Das Werk bezieht sich einerseits auf den Ende der 1950er-Jahre wieder verstärkt aufkeimenden Antisemitismus in Ost- und Westdeutschland, der sich auch in Schändungen und Vandalisierungen ("antisemitische Schmierwelle") von Synagogen manifestierte, andererseits auf die kulturelle Verständigung im damals geteilten Deutschland – insbesondere im Kontext des Mauerbaus 1961. Aus  musikhistorischer, analytischer und dramaturgisch-analytischer Perspektive geben die Referentinnen in drei Vorträgen Einblicke in dieses hochaktuelle Werk und stellen neueste Forschungserkenntnisse vor.
Die Veranstaltung ist eine Wiederholung des am 25. November 2026 in München abgehaltenen Symposiums hartmannforum. Mit der jährlich stattfindenden Forschungsinitiative fördert die Karl Amadeus Hartmann-Gesellschaft e. V. junge Musikwissenschaftler:innen im deutschsprachigen Raum.


Maya Oppitz
wurde 1999 in Berlin geboren und studierte von 2019 bis 2026 Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zwischen 2021 und 2026 war sie als studentische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft bei Prof. Dr. Arne Stollberg tätig. Zudem arbeitete sie von 2025 bis 2026 für das Lexikon Schriften über Musik (Bd. 3: Musikästhetik in globaler Perspektive). Ihren Bachelorabschluss erwarb sie 2024 mit einer Arbeit über die Textgenese von Gustav Mahlers Lied von der Erde, den Masterabschluss 2026 mit einer Arbeit über Vinko Globokars Orchesterwerk Masse, Macht und Individuum. Im Studienjahr 2024/25 leitete sie ein studentisches Forschungstutorium zum Thema Improvisation in der Neuen Musik. Ihre Forschungsinteressen liegen vornehmlich im 20. Jahrhundert.

Chiara Martina Rubino
wurde 2001 in Hamburg geboren. 2012 begann sie ihr Jungstudium an der Musikhochschule Lübeck; 2019 nahm sie dort ihr künstlerisches Bachelorstudium im Fach Klavier auf. Ein Erasmus-Austausch führte sie für das Studienjahr 2021/22 an die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Nach ihrem Bachelorabschluss im Jahr 2023 studierte sie im Master Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2024 bis 2026 war sie dort als studentische Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Arne Stollberg am Lehrstuhl für Historische Musikwissenschaft tätig und leitete zudem zwei Projekttutorien zu Komponistinnen in der Musikgeschichtsschreibung. 2026 schloss sie ihr Masterstudium mit einer analytischen Arbeit zum Finalsatz von Anton Bruckners Dritter Sinfonie im Revisionsprozess ab. Ihre bisherigen Forschungsinteressen gelten Frauen in der Musik des 19. Jahrhunderts sowie dem sinfonischen Werk Anton Bruckners.

Iris Sophie Simon
studierte Musikwissenschaft und Philosophie in Basel, München und Frankfurt a.M. sowie für kurze Zeit Querflöte in Freiburg. Ihr Masterstudium im Fach Musikwissenschaft schloss sie bei Prof. Dr. Wolfgang Rathert mit einer Arbeit über Erwin Schulhoffs Oper Flammen ab. Auf ihre Tätigkeit für das Lexikon Schriften über Musik (Bd. 2: Musikästhetik in Europa und Nordamerika) folgten Semester als Tutorin für antike und theoretische Philosophie. Ferner arbeitete sie als Hilfskraft in Forschungsprojekten – betreut durch Prof. Dr. Matthias Schmidt (Musikwissenschaft, Basel) und Prof. Dr. Thomas Buchheim (Philosophie, München) –, im Künstlerischen Betriebsbüro des ODEON Jugendsinfonieorchesters sowie als Hospitantin in der Programmheftredaktion des BR. Seit Kurzem lebt sie in Berlin und ist im Pressebereich der ROC tätig. Ihre Forschungsinteressen liegen in der Musik des 20. Jahrhunderts, mit Schwerpunkten auf der Antikenrezeption sowie dem deutsch-tschechischen Kulturleben.