Humboldt-Universität zu Berlin - Musikwissenschaft

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Institut für Musikwissenschaft

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Seminar
 

Das Institut für Musikwissenschaft trauert um seinen langjährigen Kollegen Herrn Ingolf Haedicke. Wir veröffentlichen hier einen Nachruf von Frau Dr. Christina Dörfling, die Herrn Haedicke im Verlauf ihres Studiums kennenlernte und seitdem mit ihm zusammenarbeitete, ab 2023/24 auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin.

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Ingolf Haedicke ist in der Nacht vom 31. Januar 2026 im Vivantes Friedrichshain im Alter von 82 Jahren verstorben. Nachdem er noch am 22. Januar seine letzte Seminarsitzung in der Sophienstraße unterrichtet hatte, wurde er am 25. Januar ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb sechs Tage später ebendort.

Ingolf Haedicke war seit Aufnahme seines Studiums der Musikwissenschaft 1961 durchgängig am Institut für Musikwissenschaft, später "und Medienwissenschaft", der Humboldt-Universität tätig. Nach einer dreijährigen Anstellung als wissenschaftlicher Assistent, leitete er ab 1969 die Phonothek und das Studio der Musikwissenschaft, für die er außerdem Seminare im Lehrgebiet Systematik anbot. Seit den späten 1960er Jahren legte er am Institut eine Sammlung westlicher Pop- und Rockmusik der Titel an, die in der DDR nicht verfügbar waren. Mit diesen Aufnahmen gestaltete er Rundfunksendungen, schrieb Linernotes für die ostdeutschen LP-Veröffentlichungen einiger dieser Musiker*innen bei Amiga und organisierte ein Kassettennetzwerk zur Verbreitung der Musik.

Seit dem Wintersemester 2007/08 unterrichtete er auch in der Medienwissenschaft: neben der "Einführung in die Akustik I und II" (später fachspezifizierter "Einführung mechanische, elektrische und elektronische Grundlagen der Medien") betreute er studentische Bastelprojekte im Projektseminar. Eines  dieser Projekte war ein "präpariertes Cello" für das Stück Pieta (2012) der schwedischen Komponistin Lisa Streich. 2015 richtete er weitestgehend  eigeninitiativ im Keller der Sophienstraße am ehemaligen Standort des medienarchäologischen Fundus die medientechnische Werkstatt ein, in der er bis zuletzt unterrichtete und bastelte. Diese Arbeit wurde u.a. in der sechsteiligen Musiktheaterreihe "Ingolf" von Daniel Kötter und Hannes Seidel (2016/17) dokumentiert. Für den Fundus reparierte er nicht nur gemeinsam mit Studierenden Geräte, sondern baute auch Abwesendes nach, erfand work arounds und pflegte die Sammlung. Diese Arbeit strahlte über Berlin hinaus. 2023 reparierten wir gemeinsam fürs Händel-Haus Halle ein Trautonium.

In Personalunion von Musikwissenschaftler, Bastler und Kind der DDR verkörperte Herr Haedicke bis zuletzt eine andere Form der Wissensvermittlung und -produktion an der Institution Universität. Als Kollegin und Freundin werde ich dieses "andere" schmerzlich vermissen.

Christina Dörfling