Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Hendrik Stein: "Wer zuerst stirbt, lebt am längsten - Interdizplinäre Betrachtungen zum (vermeintlichen) Ende der Vinyl-Schallplatte" (Masterarbeit)

Hendrik Stein: "Wer zuerst stirbt, lebt am längsten - Interdizplinäre Betrachtungen zum (vermeintlichen) Ende der Vinyl-Schallplatte" (Masterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 02.11.2011 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Seit Panasonic 2010 die Produktion des Technics SL 1200/1210 MK2 einstellte, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Vinyl-Schallplatte aussterben wird. Denn als letztes verbliebenes Medium am Markt, dass an eine spezielle Apparatur zu dessen Wiedergabe gebunden ist, scheint sie zu den Auslaufmodellen des digitalen Zeitalters zu zählen, obwohl sie am Musikmarkt ein kleines aber durchaus nicht existenziell gefährdetes Dasein fristet. Daher habe ich mir zum Ziel gesetzt, die Vinyl-Schallplatte hinsichtlich ihrer verschiedenen Bedeutungen zu untersuchen und mit jener symbolisch kodierten Variante zu vergleichen, deren genaue Bezeichnung am ehesten unter dem Begriff "Digitalisierte Musik" zu fassen ist und in engerem Sinne virtuelle Übersetzungen meint, die man unter Namen wie mp3, wav oder aiff kennt.

Ausgehend von der Frage, wie lange es wohl dauern wird, bis der MK2 aus den Clubs dieser Welt verschwunden ist, möchte ich den Musikmarkt untersuchen, um herauszufinden, wie tot die Schallplatte wirklich ist. Zusätzlich sollen jedoch auch ästhetische, epistemologische und kulturgeschichtliche Faktoren eine Rolle spielen. Denn während die Schallplatte einen Produktionsprozess durchläuft, der es zulässt Inhalte ohne jegliche Analog/Digitalwandlung zu übertragen, werden im Falle der "Digitalisierten Musik" mehrere Quantsierungs- und Komprimierungsschritte durchlaufen, die rein rechnerisch Qualitätseinbußen bedeuten. Somit muss ebenfalls versucht werden herauszufinden, ob mess- und/oder hörbare Unterschiede zwischen den beiden Medien-Typen existieren und ob sich unser akustisches Ästhetikempfinden durch die voranschreitende Verbreitung digitaler Audioformate verändert hat. So könnten Argumente dafür gefunden werden, warum die Schallplatte in der gesellschaftlichen Rezeption nach wie vor ein Kult-Objekt darstellt. Denn während der Musik-Download auf knappe 10 Jahre kulturellen Vollzug zurückblicken kann, haben wir der Schallplatte bereits mehrere kulturelle Errungenschaften zu verdanken. Der letzte Teil meiner Arbeit soll daher versuchen, epistemologisch und kulturgeschichtlich zu begründen, warum die Schallplatte einen Kultstatus inne hat und wie dieser genutzt werden könnte, um ihren Fortbestand zu sichern.