Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Stefan Höltgen : Medien- als Strukturwissenschaft (Vortrag)

  • Wann 14.07.2021 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
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Das Fach Medienwissenschaft befindet sich in einer denkwürdigen Situation zwischen Auflösung und Aufbruch. Mit der ‚Aufhebung‘ der historischen Medientechnologien im Digitalcomputer scheint es einerseits seinen Gegenstand (vielleicht an die Informatik?) verloren zu haben, was schon vor einigen Jahren zur Hinterfragung seiner Relevanz als akademisches Fach jenseits historischer Selbstreflexionen geführt hat; andererseits gehört Medienwissenschaft immer noch zu den populärsten Studienfächern und die Anzahl von über 70 Studiengängen und weit mehr Professuren bundesweit offenbart ihre Vielfalt und Lebendigkeit. Allerdings unterscheiden sich diese Fächer durch ihre jeweils aspektierten Medienbegriffe und daran gekoppelten Methoden teilweise markant voneinander.

Das geplante Forschungsprojekt setzt an eben diesem Punkt an, wo die Medienbegriffe die Forschungs- und Lehrprogramme der Medienwissenschaften definieren, indem es versucht Wissensentstehung und -proliferation grundsätzlich als medial strukturiert zu verstehen. Einer so verstandenen Medienwissenschaft käme innerhalb der Taxonomie der Wissenschaftslandschaft eine ‚transversale‘ Stellung zu: Sie würde die spezifische Medialität des Wissens theoretisch und methodologisch ergründen, um dadurch zum einen akademisch als veritable Hilfswissenschaft zu reüssieren und andererseits wissenschaftstheoretisch in den Kanon der Strukturwissenschaften einzugehen.

Was Strukturwissenschaften sind, wie sie sich selbst in der Wissenschaftslandschaft verorten (und zugleich die Orte einzelner Wissenschaften neu zuweisen) müsste hierzu ebenso geklärt werden, wie die Frage, welche Art Medienwissenschaft auf welche Weise als Strukturwissenschaft betrieben werden könnte. Der „reflexive Strukturbegriff“ (S. Artmann) der Medialität müsste dazu ebenso wohldefiniert werden, wie die Begriffe und Methoden der Strukturwissenschaft für Medienwissenschaft adaptiert werden sollten.

Am Beispiel der „Digital Humanities“ (und hier insbesondere deren Anwendungen in der Literatur- und Sprachwissenschaft) soll schließlich der Mehrwert einer so verstandenen Medienstrukturwissenschaft angedeutet werden.

 

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Für dieses letzte Kolloquium im nunmehr dritten pandemiebedingten Online-Semester geht die Medientheorie – als Generalprobe für die Lehre im kommenden Wintersemester – in blended learning über, d. h. die Teilnahme in Realpräsenz wird ermöglicht (Testnachweis und Maske), bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Online-Angebots. Interessent:innen der realpräsenten Teilnahme im Medientheater (zur Erinnerung: Georgenstraße 47) werden gebeten, sich im Sekretariat der Medientheorien vorab bei Frau Franke anzumelden: sekretariat-ernst@hu-berlin.de

Diejenigen, die aus der Ferne teilnehmen möchten, wählen sich bitte ab 17:50Uhr via Zoom-Link ein. Diesen erhalten Sie auf Nachfrage: david.friedrich@hu-berlin.de