Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Peter Kückens: Also sprach der Computer – Zur Bedeutung der Sprache für die Subjektivierung und Mechanisierung in der Mensch-Computer-Symbiose (Masterarbeit)

Peter Kückens: Also sprach der Computer – Zur Bedeutung der Sprache für die Subjektivierung und Mechanisierung in der Mensch-Computer-Symbiose (Masterarbeit)

  • Wann 01.11.2017 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
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1960 beschreibt der US-amerikanische Psychologe und Informatiker J.C.R. Licklider die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine als Symbiose, die weit über den ursprünglichen Werkzeugstatus des Computers hinaus geht. Die Mensch-Computer-Symbiose setzt zahlreiche, zur damaligen Zeit unmögliche technologische Entwicklungen voraus, allen voran eine natürlich-sprachliche Kommunikation zwischen Mensch und Computer. Diese scheint im Rahmen modernster und vermeintlicher Audiogeräte wie Amazon EchoGoogle Home und Apple HomePod bereits zu existieren. Die display- und tastaturlosen  Kleincomputer reagieren (abgesehen von der Einrichtung) ausschließlich auf gesprochene Sprache, werden durch namentliche Ansprache aktiviert und verfügen, anstelle von Programmen oder Applikationen, über Skills und Experiences.

Neben der Metaphorik der Bezeichnungen ist es vor allem die sprachliche Interaktion, die zwei Prozesse hervorruft: Eine Subjektivierung der Technologie sowie eine Offenlegung der Mechanik des menschlichen Subjekts durch Mechanisierung der Sprache. Diese zwei Entwicklungen begründen sich im Strukturalismus, in der Kybernetik sowie in der Philosophie Bergsons und Derridas. Besonders eignen sich jedoch die Werke von Gilles Deleuze und Felix Guattari, deren Assemblage-Begriff das Verständnis des Computers als Werkzeug ablehnt und gleichzeitig psychologische Aspekte in die Symbiose einbringt. Die Betrachtung der Symbiose als ebenjene Assemblage dient also der Analyse der möglichen Effekte und Affekte einer natürlich-sprachlichen Mensch-Computer-Kommunikation.

Die Untersuchung der zwei Prozesse beginnt mit den ersten Sprach-Maschinen, tastet sich entlang der Phonographie, Diskretisierung und Computer-Metapher,  besucht die Künstliche Intelligenz und das Uncanny Valley und mündet schließlich in Bergsons Vitalité und Deleuze und Guattaris Wunschmaschine. Ziel der Forschung ist es, die externalisierte und deterritorialisierte Sprache als Komponente der Mensch-Computer-Symbiose zu betrachten und die subjektivierenden und mechanisierenden Auswirkungen der natürlich-sprachlichen Computerinteraktion und deren mögliche Folgen im Rahmen der Assemblage-Theorie in Betracht zu ziehen.