Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼
 

Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft | Medientheorien | Kolloquium | Oliver Gerlach: Pythagoras in Kleinasien und Italien – oder das Tonsystem als Labyrinth

Oliver Gerlach: Pythagoras in Kleinasien und Italien – oder das Tonsystem als Labyrinth

Was
  • Kolloquium „Medien, die wir meinen“
Wann 28.04.2004 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200) iCal
Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)

Im Zentrum steht das Rad des Koukouzelis – eine Abbildung, die bis ins 18. Jahrhundert byzantinischen Sängern geholfen hat, sich im Tonsystem zurechtzufinden. Im Unterschied zur lateinischen Rezeption der antiken griechischen Musiktheorie, wo die Tropenlehre (Transpositionsskalen) lediglich zur Kenntnis genommen wurde (Boetius), wurde die Tropenlehre in der griechischen Rezeption teil der Praxis, bei der Sänger der orthodoxen Kirchenmusiktraditionen im Gesang durch mehrere Tonarten wandern.

An diesem Punkt finden sehr viele Fragestellungen zusammen, die für das aktuelle fortbestehen dieser Tradition wesentlich sind:

  • die mediale Funktion der Notenschrift, die sich durch die Einführung des Notendrucks im 19. Jh. stark gewandelt hat. Damit verbunden ist auch das Scheitern der Byzantinisten bei der philologischen Verwaltung der Handschriften, die vor dieser Reform geschrieben worden sind.
  • die Bedeutung von anerkannten Sängern und von Instrumenten (Monochord, Ud (Laute) und Ney (Flöte)), um im Gesang die Intonation der Intervalle und ihre mikrotonalen Verschiebungen zu erlernen.
    • die Vereinfachung und Endgültigkeit der Notation vor knapp 200 Jahren hat dazu geführt, dass heute viele durch die Praxis überlieferte Details aus dem Gesang und mit ihr eine Improvisationskunst verschwunden sind, die früher unter ausgebildeten Sängern als Zeichen höchster Vollendung verehrt wurde.
  • eine Reaktion darauf ist die pädagogische Wiedereinführung von alten Notenzeichen, interpretiert als Ornamentzeichen, und der Versuch, die bis dahin schriftlose Praxis der mikrotonalen Intonation zu codifizieren (Lehrbuch der Athener schule).
  • gegen diese einheitliche Behandlung sprechen Feldaufnahmen traditioneller Sänger, heute zugänglich gemacht durch CD-Publikationen.

Besonders bei Aufnahmen von älteren Sängern gibt es eine starke Vielfalt in der Intonation, d.h. im Extremfall, dass jede Tonart eine andere Intonation der Skala erfordert.

Material sind also Feldaufnahmen, Handschriften aus Italien, Griechenland und Kleinasien, Drucke und Lehrbücher