Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Moritz Hiller: "Diskurs/Signal - Philologie nach den technischen Medien"

  • Wann 03.07.2013 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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Mit dem Eingang der Hinterlassenschaften Friedrich Kittlers in das Deutsche Literaturarchiv Marbach und dem editorischen Projekt einer Ausgabe seiner gesammelten Werke unter dem Titel "Schriften, Stimmen, Hard- und Software" steht die Philologie vor historischen Herausforderungen. Insofern diese auf die mediale Vielfalt des Nachlasses zurückzuführen sind - der auch tausende Zeilen Sourcecode sowie einen von Kittler entworfenen und gebauten Analog-Synthesizer inklusive handschriftlicher Schaltungsaufzeichnungen umfasst -, gibt das Anlass, die philologische Tradition in ihrem Doppelsinn vom Standpunkt der technischen Medien aus zu befragen.

Diese Befragung ist das Unterfangen der Dissertation, die in ihren Ansätzen vorgestellt werden soll. Wichtig wird dabei die titelgebende, auf Kittler zurückgehende Differenz von ,Diskursʻ und ,Signalʻ. Sind mit ,Diskursenʻ Schriften, Bücher und Reden gemeint, so bezeichnen ,Signaleʻ ein anderes medientechnische Paradigma von Speicherung, Verarbeitung und Übertragung, das ab Ende des 19. Jahrhunderts aufkommt und dessen Materialisierungen nun für die Herausforderungen von Literaturarchiv und Editorik sorgen: In der historischen Epoche des diskursiven Paradigmas alphabetschriftlicher Datenverarbeitung fußend und noch wesentlich so operierend, werden diese beiden nun, mit Kittlers Nachlass, zum ersten Mal von signalverarbeitenden Medien heimgesucht.

Nach einer Erörterung der historisch-technischen Voraussetzungen für die Entstehung von Literaturarchiv und moderner Editorik sollen deshalb ausgewählte Begriffe und Theorien der Philologie mit jenen Medien konfrontiert und auf ihre weitere Anwendbarkeit hin überprüft werden. Etwa: Was ist - aus editionswissenschaftlicher Perspektive - Text, wie verhält sich das textuelle Phänomen Sourcecode dazu und was folgt daraus für die Edition von Kittlers Programmen? Daran knüpft sich die Idee, mit der Rückbindung von Medientheorie an Philologie gleichermaßen zu beiden Disziplinen beitragen zu können: So soll zunächst, ausgehend von den Herausforderungen der Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Kittlers Nachlass qua Philologie, das Verhältnis von Diskurs und Signal präzisiert werden, um damit dann wiederum aufzuzeigen, auf welchen Stand die Philologie nach den technischen Medien gebracht werden müsste, um den aktuellen Anforderungen genügen zu können.