Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

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Mira Georgieva: Die Zeitung und ihre Medienträger im historischen Vergleich. (Master-Arbeit)

  • Wann 05.07.2017 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
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„Der Druck der Tageszeitung ist lediglich eine vorübergehende Erscheinungsform, die mit dem spezifischen Wesen der Zeitung nichts zu tun hat.“ (Brunhuber, Robert)

Die Behauptung in diesem Zitat würde vermuten lassen, dass es aus den letzten Jahren stammt, oder spätestens seit der Digitalisierung der Zeitungen. Doch es ist viel älter, nämlich aus dem Jahr 1907. Schon damals vor dem Computer- und Internet-Zeitalter hat der Zeitungsforscher Robert Brunhuber eine andere Erscheinungsform der Zeitung vermutet, die die Gedruckte ablösen könnte. Seine Aussage ist heutzutage relevanter denn je. Die klassische Print-Zeitung kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wobei dem Papier als sein Medienträger schon lange das Aussterben vorausgesagt wird. Ein amerikanischer Medienforscher Namens Philipp Meyer soll sogar das Jahr 2043 als Ende der Zeitung in gedruckter Form vorausgesagt haben. Es gibt auch positivere Szenarien, wie das vom BDZV-Präsident Helmut Heinen, der die Zeitung in gedruckter Form für Deutschland auch in 30 Jahren sieht, jedoch auch nur als Eliteprodukt für ein beschränktes Publikum. Diese Prophezeiungen kommen nicht unbegründet. Sie wurden auf Grund von sinkenden Auflagen, rücklaufenden Zahlen bei Zeitungsabonaments, sowie Senkungen bei den Werbeumsätze und den Reichweiten der Printzeitungen aufgestellt. Als Hauptgrund für diese Entwicklungen auf dem Zeitungsmarkt wird vor allem das Internet angesehen. Seine Evolution führte zu fundamentalen Veränderungen der Vorlieben und Handlungsweisen der Zeitungsrezipienten. Dies hatte zur Folge, dass Verlage ihr Angebot überdenken und schließlich erweitern mussten, womit die Online-Zeitung eingeführt wurde, um die technologischen Eigenschaften und Möglichkeiten des neuen Mediums nutzen zu können und den veränderten Bedingungen am Rezipientenmarkt gerecht zu werden.

Zwar wurde das Rieplsche Gesetz, welches besagt, dass kein Medium, das neu eingetreten und höher entwickelt ist, ein altes Medium ersetzen kann noch nicht widerlegt, doch mit dem Internet ist die Zeitung in gedruckter Form einer ernstzunehmenden Gefahr und einer großen Herausforderung ausgesetzt. Die Frage, die sich stellt, falls die gedruckte Zeitung aussterben sollte ist, ob bei der Online-Zeitung noch vom klassischen Begriff der Zeitung die Rede sein kann, oder wird somit das Rieplsche Gesetzt widerlegt werden?

Wie die technische Entwicklung und besonders das neue Medium Internet die Zeitung beeinflusst und verändert hat stellt den Kern meiner Arbeit. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie sich das Produkt Zeitung auf Grund der Entwicklung und Eigenschaften seiner Medienträger geändert hat und ob bei der Online-Zeitung noch von dem klassischen Begriff der Zeitung die Rede sein kann?