Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Matthias Wannhoff: "Digitalität und Tod" (Master-Arbeit)

  • Wann 10.07.2013 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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Die Master-Arbeit möchte eine traditionsreiche – auf Platon zurückgehende und von der romantischen Hermeneutik aufgegriffene – Metapher beim Wort nehmen und für eine Theorie des Digitalen fruchtbar machen: jene von Schrift (dem ersten digitalen Medium) als einer Form des „Todes“. Bei Platon und später dessen Übersetzer Schleiermacher wird sie als solche deklariert, da sie die „lebendige“ Rede stillstellt und entkörperlicht.

Eine materielle Welt, die immer in Bewegung ist versus unbewegte Zeichen als Effekt einer Dematerialisierung – anhand dieser Unterscheidung fragt die Arbeit nach dem Verhältnis des Digitalen zur physikalischen Welt. Hierbei werden die Begriffe Entropie, negative Entropie (oder „Neg-Entropie“) und Information auf der Linie besagter Opposition aufgefädelt.

Von Schrödingers Biophysik über Wieners Kybernetik führt so der Weg zu Shannon, dessen Nachrichtentheorie den digitalen Code auch mathematisch als eine radikale Suspension der fortschreitenden Zeit (im Sinne des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik) und des physikalischen (Phasen-)Raums beschreibbar macht. Mit dieser formalen Wiedereinkehr der Prinzipien Arretierung und Dematerialisierung fällt so ein zeitgemäßes und physikalisch fundiertes Licht auch auf die Metaphorik von Platon und Schleiermacher.