Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Maike Hanspach: "maschine && fraktal – Die Implementierung, Inszenierung und Auswirkung des Fraktalen auf den digitalen Rechenprozess" (Master-Arbeit)

Maike Hanspach: "maschine && fraktal – Die Implementierung, Inszenierung und Auswirkung des Fraktalen auf den digitalen Rechenprozess" (Master-Arbeit)

  • Wann 22.01.2014 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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Die Arbeit ist derzeit noch stark im Entstehungsprozess, der Titel wird zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingelöst werden können. Vielmehr wird die Skizze einer Zeitreise vorgestellt vom Auftauchen der ersten Fraktale und der zentralen Rolle der Computerhardware im neuen Feld der experimentellen visuellen Mathematik, kurz vorbei an den Auswirkungen auf verschiedene Wissenschaftsfelder, hin zu der Auseinandersetzung mit der Bedeutung von digitaler Bildverarbeitung als Modell in Form von  Computergrafiken/Simulationen.

1975 veröffentlicht Mandelbrot „Les Objects Fractals: Forme, Hasard et Dimension“; der Durchbruch seiner Fraktaltheorie gelang ihm aber erst durch das Hinzuziehen von Computergrafiken und dem damit ausgestatteten Folgewerk („Die fraktale Geometrie der Natur“). Erst die Visualisierung  abstrakter Mathematik macht sie für die breite Öffentlichkeit bemerkenswert und sichtbar. Eine Kommunikationsstrategie unter der Möglichkeitsbedingung von Computersimulation. Seither geistert die Fraktaltheorie durch unzählige Wissensgebiete.

Im Rahmen des Kolloquiums sollen im zweiten Teil zwei Medientheoretiker zur Sprache kommen, nämlich Baudrillard und Kittler, welche sich auf unterschiedliche Weise dem Phänomen des Fraktalen annehmen.

1986 erscheint Baudrillards „Subjekt und Objekt: Fraktal“; drei Jahre später sein berühmter Aufsatz „Videowelt und fraktales Subjekt“ in „Philosophien der neuen Technologie“. Er beschwört ein simuliertes neues Ich, tausendfach zersplittert und identisch reproduziert, fraktal, beheimatet auf Bildschirmen. Doch philosophiert er dabei weit über die sozial-politische Dimension hinaus Richtung einer Theorie fraktaler Informationsverteilung in interaktiven Systemen. 

In zahlreichen Schriften Kittlers, darunter „Computergraphik – eine halbtechnische Einführung“ sowie „Fiktion und Simulation“, wird nicht nur die Faszination für das Apfelmännchen und damit implizit für die Simulation von mathematischen Irrealitäten deutlich, sondern ist überdies eine Sensibilität für fraktale Strukturen im System des digitalen Rechenprozesses lesbar.