Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | M.A. Paul Feigelfeld: "Über Reste. 'Unvollständigkeit' als operatives Medien-Epistem von China bis Europa"

M.A. Paul Feigelfeld: "Über Reste. 'Unvollständigkeit' als operatives Medien-Epistem von China bis Europa"

  • Wann 31.10.2012 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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"Je trouve deux limites que la raison nous prescrit, les voicy, 1) Il est necessaire de continuer la synthese jusqu'à ce qu'on la puisse changer en Analyse, 2) il est utile de continuer la synthese jusqu'à ce qu'on voye des progressions à l'infini, 3) quand il y a quelques beaux theoremes, surtout qui servent à la practique il est bon de les marquer aussi. Mais la premiere regle suffit pour le necessaire." - G.W. Leibniz

Der Vortrag untersucht die operative Funktion von Unvollständigkeiten in abendländischen Zeichensystemen, die grundsätzlich mit diskreten Alphabeten arbeiten. Hierbei wird die Übertragung von mathematischem und metamathematischem Wissen zwischen China und Europa - zwischen einem per definitionem unvollständigen und einem vollständigen Zeichensystem also - im 17. Jahrhundert als Ausgangspunkt genommen und der massive Einfluss, den diese Übertragung auf die Entwicklung des Wissenssystems G.W. Leibnizens hatte, genau dargelegt. Ausgehend davon soll die chinesische Spur im westlichen Denken und Operieren mit Symbolen im 18., 19. und 20. Jahrhundert weiter verfolgt und an signifikanten Stellen freigelegt werden. Ziel ist es, die Mathematik der (operativen) Unvollständigkeit und Unentscheidbarkeit, wie sie mit Gödel und Turing im frühen 20. Jahrhundert die klassische Mathematik beendet und sie in die Immanenz der Maschine überträgt, auf Verfahren zurückzuführen, die Leibniz aufgrund seiner Befassung mit dem Chinesischen entwickelt hatte.