Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Jan Wöpking (Exzellenzcluster TOPOI): Nicole Oresmes Konfigurationsdoktrin

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 09.02.2011 von 18:00 bis 19:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
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Nicole Oresme, ein französischer Philosoph des späten Mittelalters, hat mit seiner Konfigurationsdoktrin (um 1350) einen Schlüsseltext abendländischer Diagrammatik verfasst. Oresmes Lehre ist heute vor allem deshalb bekannt, weil die Konfigurationen oft als Vorwegnahme des Koordinatensystems aufgefasst wurden. So meinte etwa Spengler, dass Oresme zwar „archaisch, primitiv und suchend“, aber dennoch „zum erstenmal im Abendland eine freie Art von Koordinaten“ gebraucht habe und damit zum „Erfinder der Koordinatengeometrie“ werde. Oresmes Text ist doch auch und vor allem jenseits der Frage, ob darin ein Koordinatensystem avant la lettre steckt, interessant.

In meinem Vortrag möchte ich Oresmes diagrammatisches Potential diskutieren. Dazu skizziere ich zunächst die Grundideen der Konfigurationsdoktrin. Anschließend konzentriere ich mich auf drei Punkte: (i) Auf Oresmes Begründung der Möglichkeit der Verräumlichung unräumlicher Naturprozesse in Diagrammen; (ii) auf die Frage, wo zwischen Bild und mathematischem Graphen Oresmes Konfigurationen stehen; (iii) auf das Phänomen der nomischen Ähnlichkeit, worunter ich die Abbildung physikalischer (logischer, ökonomischer...) auf räumliche Gesetze verstehe.