Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

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Christoph Dross: Radio als Erkenntnismedium des Netzes – Grenzen von Heterarchie und Dezentralität (Masterarbeit)

  • Was Kolloquium „Medien, die wir meinen“
  • Wann 02.05.2012 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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Die Möglichkeit des hierarchiefreien, weltweiten Signalaustauschs in einem dezentralen Netzwerk scheint sich medial mit dem Internet und seinen Diensten wie dem World Wide Web realisiert zu haben. Zudem ist der Netzwerkzugang für den Großteil der Nutzer annähernd barrierefrei und allgegenwärtig. Allerdings existiert die Idee eines solchen Netzwerkes mit der unmittelbaren Beteiligung einer ganzen Gesellschaft schon während der Anfänge des Radios.

Bertolt Brecht stellt angesichts dieser Technologie in seiner sogenannten Radiotheorie die Möglichkeit in Aussicht, dass jeder Nutzer in der Lage sei, weitgehend unabhängig und selbstständig Signale zu senden und zu empfangen. Dabei setzt er ganz auf die Hardware des Radios, die diese Unabhängigkeit von zentralen Anlaufstellen oder kontrollierten Signalwegen ermöglichen soll. In der alltäglichen Praxis hat sich allerdings der Aufbau eines solchen rhizomatischen Signalnetzwerkes (zumindest in Deutschland) kaum durchgesetzt, Radio blieb für die allermeisten Nutzer, trotz des Baukastens einer Medientheorie, ein Rezeptionsmedium.

In dem Vortrag sollen anhand einer technischen Überprüfung der Thesen Brechts und einer historisch-vergleichenden Betrachtung der Entwicklung des Radios, unter besonderer Beachtung der Amateurfunkbewegung, in den USA und Deutschland zunächst einige Möglichkeiten und Grenzen eines dezentralen und hierarchiefreien Netzes ausgelotet werden.

Im zweiten Teil soll der Versuch unternommen werden mit Hilfe dieser Erkenntnisse, die Möglichkeiten des Internet und des World Wide Web in Bezug auf dessen dezentrale und heterarchische Organisation an Hand aktueller Beispiele zu diskutieren. Dabei soll sich auch hier auf die technische Infrastruktur des Netzes konzentriert werden: Inwieweit sind Protokolle notwendig, um einen Signalaustausch zu organisieren und damit zu hierarchisieren? Kann Cloud-Computing als Beispiel für Zentralisierungstendenzen gelten? In wie fern lassen sich Parallelen bei Zentralisierungs- und Hierarchisierungstendenzen der Netzwerke Radio und Internet erkennen bzw. welche Differenzierungen sind vonnöten?

Aufgrund der epistemologischen Ausgangssituation der Arbeit soll außerdem ein Exkurs zum Phänomen Internetradio geführt werden. Dabei stellt sich vor allem die Frage, inwiefern sich Brechts Idee von einem Radionetzwerk hier realisiert hat. Technische Beschränkungen zumindest scheinen nicht als Grund für die ausbleibende Umsetzung seiner Idee zu genügen.