Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Dr. Roland Wittje: "Viel Lärm um nichts oder doch alles nur Schall und Rauschen? Klänge und Geräusche 1863 - 1936"

Dr. Roland Wittje: "Viel Lärm um nichts oder doch alles nur Schall und Rauschen? Klänge und Geräusche 1863 - 1936"

  • Wann 08.01.2014 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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Nach dem Ersten Weltkrieg bewegten sich Geräusche und Störschalle von der Peripherie in das Zentrum des akustischen Interesses. Gleichzeitig veränderten sich die Konzepte von Geräusch und Lärm fundamental. Akustik war zuvor hauptsächlich eine Wissenschaft der Musik. Laut ihrer einflussreichsten Vertreter, Hermann Helmholtz und Lord Rayleigh, teilte sich die Welt der Schalle in musikalische Klänge einerseits und Geräusche andererseits; es waren wesentlich die ersteren, mit denen sich die Akustik beschäftigte. Diese Definition erwies sich zunehmend als problematisch. Frederic Charles Bartlett konstatierte 1934, dass sich die physikalische Definition von "Noise" als Schalle, die aus nichtperiodischen Schwingungen zusammengesetzt sind, zumindest betreffend der Experimentalpsychologie als unbrauchbar erwiesen habe.

Technik- Medizin- und Kulturhistoriker haben sich mit Geräuschen und Störschallen in der Zeit zwischen den Kriegen bisher besonders im Kontext der Anti-Lärm Bewegungen und der modernen Stadt beschäftigt. In meiner Präsentation werde ich ein davon abweichendes Bild präsentieren und auf die Zusammenhänge und Unterschiede der Begriffe 'Lärm', 'Geräusch' und 'Rauschen' eingehen. Ich möchte dabei drei wichtige Entwicklungen ansprechen, die die Konzepte und die Bedeutung von Geräuschen und Störschallen in der wissenschaftlichen Akustik transformierten: Die Mobilisierung von Akustik und Akustikern im Ersten Weltkrieg, die Verbreitung von elektroakustischer Medientechnologie, speziell Telefon, Radio und Tonfilm, und das Aufkommen der vergleichenden Musikwissenschaften.