Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Christoph Maurer: "Analog 2.0: der Memristor. Aktuelle Perspektiven der sub-symbolischen Informationsverarbeitung" (Magisterarbeit)

Christoph Maurer: "Analog 2.0: der Memristor. Aktuelle Perspektiven der sub-symbolischen Informationsverarbeitung" (Magisterarbeit)

  • Wann 05.02.2014 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Georgenstraße 47, R. 0.01 (Medientheater)
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1971 fundierte Leon Chua nicht nur die nichtlineare Netzwerkanalyse mathematisch sondern bewies dabei ebenfalls, dass es neben den drei bekannten passiven elektrischen Bauelementen [Widerstand, Kondensator, Spule] ein weiteres geben muss, den Memristor, ein Amalgam aus Speicher (Memory) und Widerstand (Resistor). Dass Schaltungsingenieure schon vor Chua von anomalen Verhalten berichteten (Effekte der Memristivität), und erst in jüngster Zeit physikalische Implementierungen des Memristors gefunden wurden, ist sowohl auf die Ignoranz der Ingenieure gegenüber der Mathematik Chuas zurückzuführen, als auch auf die technologische Machbarkeit als auch Dringlichkeit eines solchen Bauelements. Als sowohl logisches Schaltelement als auch nicht-flüchtiger Speicherbaustein stellt es nicht nur die Von-Neumann-Architektur in Frage.

Chua verwies darauf, dass es zur Zeit seiner Veröffentlichung keine bekannte physikalische Realisierung eines Memristors gab, ausser der Synapse in neuronalem Gewebe. In neueren Anwendungsfällen, den sogenannten Neuromorphen Schaltkreisen, findet der Memristor unter dem Namen Neuristor (Neuron & Resistor) eine weitere Verwendung. Unter dem Paradigma des Konnektionismus bilden die Neuristoren die elektrischen Schaltelemente von künstlichen Neuronalen Netzen. Als nichtlineare dynamische Systeme firmieren diese parallel arbeitenden Netze unter dem Banner der sub-symbolischen Informationsverarbeitung, aber eben nun im Realen.

Wenn Neuronale Netze mittels Memristoren in Hardware realisierte werden, stellt sich die Frage nach dem Status des Analogen neu. Meine These ist, dass es sich um ein anderes Analoges handelt, als es die prädigitalen Rechenverfahren exemplifizieren. Die These soll in Kontrast zu drei Theorieangeboten gestellt werden:
- Zu einem zweiten Realen bei Lacan, das auf Unmöglichkeiten in den Beziehungen zwischen den Elementen der symbolischen Ordnung zurückführen ist.
- Zu dem re-entry des Begriffs Hegels, der als Differenz zur Natur wieder in sie zurückkehrt und damit die Hegelsche Idee des Lebens als proto-kybernetisches Modell eines Regelkreises realisiert.
- Zu dem ontologischen Prinzip in Whiteheads Prozessphilosophie, das den actual entities sowohl einen mentalen als auch einen physischen Pol zuspricht, und damit eine vom Menschen unabhängige Zweckmässigkeit.