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Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Christoph Borbach: Funktionale Inversionen: Zur Varianz der Übertragung (Dissertation)

Christoph Borbach: Funktionale Inversionen: Zur Varianz der Übertragung (Dissertation)

Wann 11.07.2018 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200) iCal

Der Vortrag widmet sich der Vorstellung des Dissertationsvorhabens »Zeitkanäle | Kanalzeiten. Eine Mediengeschichte des Δt« anhand ausgewählter Fallbeispiele sowie seiner methodischen Verortung.

Abstract des Dissertationsprojekts:

Sound Studies haben Konjunktur. Die seit über einem Jahrzehnt intensiv stattfindende Forschung zum Oberthema der auditiven Kultur betont hierbei die jahrhundertelange Vorherrschaft des Visuellen. Dass aber mit der Betonung des Auditiven zugleich die temporale Verfasstheit, Materialität und zeitkritische Räumlichkeit der Sonik nach eigenem Recht gemeint sein muss, verschweigen diese Ansätze meist. Das vorliegende Projekt setzt hier an und insistiert auf die Operationalisierung des Sonischen, womit seine Zeitlichkeit und Zeithaftigkeit explizit wird.

Das Promotionsprojekt untersucht medientechnische Operationalisierungen und Implementierungen physikalischer Signal-Laufzeit. Das originäre Wissen beziehungsweise Nichtwissen um exakte Zeitintervalle ist hierbei konstitutiv und markiert die epistemologische Trennlinie zwischen flüchtigen Speichern in Raum und Zeit einerseits, Ortungstechnologien auf Makro- und Mikroebene andererseits. Beides ist konkret und das heißt physikalisch ortsbezogen und als Solches materiell situiert. Eine Mediengeschichte des Δt hat sich hierbei der sonischen und zeitkritischen Verfasstheit von Medienprozessen auf fundamentaler Ebene zu widmen, bevor Verdinglichungen von Erkenntnissen in konkreten Medientechniken als chrono-logische Endpunkte non-linearer Wissensgenese untersucht werden können. Quer zur Historie stehende (Medien)Prozesse können so mediengeschichtlich und dennoch -archäologisch befragt werden.

Fokus des Vorhabens liegt auf den Medien der operationalisierten Zeitdifferenz und ihrer Diskursivierung: 1. Ortungstechnologien wie Sonar, Radar, GPS, 2. Auralisation, die synthetischer Erhörung auditiver Situationen, 3. Delay Lines und ihre multifunktionale Verwendung. Die etwaigen visuellen Phänomene (4.), die hierbei als Laufzeitvisualisierungen [‚Bildbarmachungen‘ als Analogon zur ‚Hörbarmachung‘ von Daten] durch Ortungstechnologien provoziert werden – synthetische Sonar-, Radar- aber auch medizinische Bilder – verdienen eigene Aufmerksamkeit. Zusammenfassend fokussiert die Arbeit Momente, in denen das Zeitkritische, also entscheidende Momente für das Gelingen von Medientechnik, und das Zeitbasierte ineinanderfallen und fragt nach der wechselseitigen Bedingtheit der Zeitwe(i)sen [Wolfgang Ernst] von Natur einer-, Medientechnik andererseits.