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Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Musik­wissen­schaft und Medien­wissen­schaft | Medienwissenschaft |  ↳ Medientheorien | Kolloquium | Christina Vagt: Zeit und Fernsehen – zeitkritische Wahrnehmung bei Heidegger und Bergson

Christina Vagt: Zeit und Fernsehen – zeitkritische Wahrnehmung bei Heidegger und Bergson

Was
  • Kolloquium „Medien, die wir meinen“
Wann 16.06.2004 von 18:00 bis 20:00 (Europe/Berlin / UTC200) iCal
Wo Sophienstraße 22a, R. 0.01 (Medientheater)
Die zeitbasierte Übertragung des Fernsehens in sogenannter Echt-Zeit manifestiert jene Verzeitlichung und Enträumlichung, die das Denken Martin Heideggers und Henry Bergsons auszeichnet. Mit dem Fernsehen kommt eine Hochtechnologie in die Welt, die den bereits in mathematischer und physikalischer Auflösung begriffenen absoluten Raum in Frequenzen überführt und somit „alle Ferne vernichtet“.

Das elektronische Zeit-Bild, das im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges zum ersten Mal massenwirksam zur Übertragung kommt, markiert eine Zäsur, die den metaphysischen Status des Subjektes medientechnologisch beendet.

Denken und Sein werden bei Heidegger zu Rückkopplungen einer differenziellen Existenz, die sich faktisch durch die Bezüglichkeiten zur Welt und ihrer „Innerzeitigkeit“ realsiert. Wahrnehmung nach Bergson ist bereits Bildverarbeitung in der Zeit: eine Synthese aus aktuellen Wahrnehmungs- und virtuellen Erinnerungsbildern, in ihren „Reinheiten“ ununterscheidbar, aber zeitlich gerichtet im Sinne von antizipierter Handlung. Wahrnehmung kann nach Heidegger und Bergson nur noch als zeitkritischer Prozess aus-der-Zeit und in-der-Zeit gedacht werden, und damit lässt sich ihr Denken medienwissenschaftlich operationalisieren: Die Differenz zwischen Sein und Zeit, Aktuellem und Virtuellem ist paradoxer Output eines heterogenen Inputs: der raum-zeitlichen Konstruktion unserer Wahrnehmung und ihres Re-entry über Medien.

Das televisionale Ereignis muss in seiner Faktizität als Teil von umfassenden ästhetischen, ökonomischen und politischen Prozessen verstanden werden, aber seine Möglichkeiten, seine Existenzialien werden technologisch entworfen und folgen einer mathematischen Verfasstheit. Es gilt diese Bedingungen des Möglichseins aufzuspüren, die sich diskursüberschreitend im Sinne einer Foucaultschen Epistemologie als Mathematik, Technologie und Philosophie generieren und als televisionale Wahrnehmung wirksam werden.