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Humboldt-Universität zu Berlin - Musikwissenschaft

Das Fach Musikwissenschaft und seine Vertretung

Musikwissenschaft - eine alte Disziplin

Musikwissenschaft ist als wissenschaftliche Beschäftigung mit Musik eine sehr alte Disziplin, deren Wurzeln in der griechischen Musiktheorie seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. liegen. Als spezifisches Universitätsfach existiert sie dagegen erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Nicht anders als "Musik" ist "Musikwissenschaft" ein Begriff, der im Laufe seiner Geschichte höchst Unterschiedliches bedeutet hat und dessen Inhalt und Reichweite nur historisch bestimmt werden können. Gerade dies aber schließt Offenheit für weitere Entwicklungen ein, für Erneuerung in Zukunft und Gegenwart.

Etappen der Musikwissenschaft

  • Die antike Musiktheorie und -philosophie mit ihren spekulativen und empirischen Zweigen.
  • Die mittelalterliche ars musica, welche neben der Fortführung der christlich umgedeuteten spekulativen Theorie die spezifisch abendländische Entwicklung mehrstimmiger Komposition durch eine Notations- und Kontrapunktlehre begleitete.
  • Die Befruchtung der Musiklehre durch Rhetorik und Poetik im Humanismus des 15. und 16. Jahrhunderts.
  • Ihre fortschreitende, enzyklopädische Ausdifferenzierung zur Zeit der Aufklärung, mit der sie der dynamischen Entwicklung der komponierten, aufgeführten und theoretisch erfaßten Musik in ihren unterschiedlichen Gattungen mehr und mehr Rechnung trug.
  • Die Einbindung der Musik und ihrer Ästhetik als "Tonkunst" in das System einer "Allgemeinen Theorie der Schönen Künste" im 18. Jahrhundert.
  • Die Ausbildung einer geschichtlich orientierten Musikforschung im Historismus des 19. Jahrhunderts durch Quellen- und Notationskunde, Stil- und Gattungsgeschichte, Werkanalyse sowie Biographik.
  • Wenig später der Aufschwung einer Systematischen Musikwissenschaft mit Ästhetik, Akustik und Psychologie.
  • Und schließlich die Entstehung der Ethnomusikologie im Sinne einer Vergleichenden Musikwissenschaft.

Vergangenheit und Gegenwart

All diese hier nur grob angedeuteten Stationen der Disziplin sind heute zugleich Vergangenheit und Gegenwart: Vergangenheit insofern, als die derzeitige Musikwissenschaft, eine große, international verzweigte kunst- und kulturwissenschaftliche Disziplin ist, ihre Gegenstände und Methoden aktuell und innovativ entwickelt werden. Gegenwart aber insofern, als die historische Rekonstruktion und kritische Reflexion des breiten Traditionsbestandes des Faches zu den Aufgaben heutiger Musikforschung gehört.

Das Musikwissenschaftliche Seminar an der Humboldt-Universität

Als einer Einrichtung für Forschung und Lehre, die durch die unmittelbare Nachbarschaft zu den Quellenbeständen der Musiksammlung der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz eine bevorzugte Lage besitzt, war das Institut für Musikwissenschaft der einstigen Friedrich-Wilhelms- und späteren Humboldt-Universität zugleich Motor und Spiegel wichtiger wissenschaftsgeschichtlicher Etappen des Faches im späteren 19. und im 20. Jahrhundert.

Sowohl in der Historischen Musikwissenschaft (mit Philipp Spitta, Hermann Kretzschmar, Johannes Wolf, später Hermann Abert und Arnold Schering) als auch in der Vergleichenden und Systematischen Musikwissenschaft (mit Carl Stumpf, Otto Abraham, Erich Moritz von Hornbostel, Curt Sachs, Robert Lachmann) nahm es aufgrund einer Struktur, die in der wechselseitigen Ergänzung der beiden Schulen einen wissenschafthistorischen Glücksfall darstellte, eine führende Position ein.

Im Schatten des Nationalsozialismus

Dieser wurde 1933 mit der Vertreibung von Hornbostel, Lachmann und Sachs durch die Nationalsozialisten ein jähes Ende gesetzt.
Es folgten zwölf Jahre unter der ideologiegeprägten Herrschaft des Nationalsozialismus (Arnold Schering, Georg Schünemann, Erich Schumann, Gotthold Frotscher).

Musikwissenschaftliche Forschung in der DDR

Nach dem Zweiten Weltkrieg - von 1949 bis 1990 im Rahmen der DDR - standen Forschung und Lehre am Institut der Humboldt-Universität unter einer marxistischen Prämisse (Ernst Hermann Meyer, Georg Knepler), die teils zu dogmatischen Resultaten, teils zu einer Anknüpfung an die zerstörten Überlieferungen führte:

mit Arbeiten zur Methodologie der Musikhistoriographie, Forschungen zur Theorie und Geschichte des Musiktheaters, regionalen ethnomusikologischen Studien, einer Neukonzeption der Systematischen Musikwissenschaft unter systemwissenschaftlichem Blickwinkel, dem Aufbau einer historischen, zugleich empirisch arbeitenden Musiksoziologie, schließlich mit Forschungen zur Populären Musik.

Reform nach 1989 - das Institut heute

Nach der Wende im Spätherbst 1989 kam ein Reformprozeß an der Humboldt-Universität in Gang, in dessen Verlauf auch das Institut, heute Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft auf der Basis der folgenden Professuren neu strukturiert wurde:

  • Historische Musikwissenschaft
  • Musiksoziologie/Sozialgeschichte der Musik
  • Systematische Musikwissenschaft und/oder Vergleichende Musikwissenschaft (Ethnomusikologie)
  • Populäre Musik
  • Musiktheorie