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Humboldt-Universität zu Berlin - Musikwissenschaft

Vortrag von Dieter Borchmeyer (Universität Heidelberg)

"Seele, die unmittelbar für sich selbst erklingt". Hegels Musikästhetik – mit einem Blick auf Richard Wagner

Hegels Musikästhetik gehört zu den weithin unbekannten Bereichen seiner Philosophie, und sie steht bis heute im Schatten der Philosophie der Musik im Werk seines Antipoden Arthur Schopenhauer – aber auch der Musiktheorie der Romantiker, Wagners und Nietzsches. Um ihr gerecht zu werden, muß sie aus seinem enzyklopädischen System wie aus seinem triadischen System der Kunst – als symbolischer, klassischer und romantischer - heraus verstanden werden.
Die Musik bildet bei Hegel die Mitte der romantischen Künste, ist in Struktur und Wirkung kurz gefaßt "die Kunst des Gemüts, welche sich unmittelbar an das Gemüt selber wendet". Die Seele der Musik aber, ihr A und O ist für Hegel die Melodie als das "freie Beisichsein der Subjektivität, deren Ausdruck sie sein soll". Deutlich ist zu erkennen, daß Hegel die melodisch-horizontale Struktur der Musik für wesentlicher hält als die harmonisch-vertikale. Das aber bedeutet: Musik ist Sein als Zeit. Das "sinnliche Material" tritt in die Musik "statt mit seiner räumlichen Form, nur mit der zeitlichen Dauer seiner Bewegung ein".

Der Vortrag sucht Hegels Musikästhetik zwischen Kant und Schiller einerseits, Hanslick, Schopenhauer und Wagner anderseits zu verorten, und es zeigt sich, daß sie Wagner weit näher steht, als dieser in seiner Hegel-Verachtung geahnt hätte.

 

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