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Humboldt-Universität zu Berlin - Musikwissenschaft

Vortrag von Christian Schaper

Der Anfang vom Ende? Funktionen der Reprise in den Symphonien von Gustav Mahler

«Denn jede Wiederholung ist schon eine Lüge. Es muß sich ein Kunstwerk wie das Leben immer weiter entwickeln. Ist das nicht der Fall, so fängt die Unwahrheit, das Theater an.» Eine flüchtige Lektüre dieses berühmten Wortes von Gustav Mahler könnte nahelegen, dass man nach Reprisen in Mahlers Symphonik gar nicht erst suchen müsse. Und bedenkt man die im Laufe des 19. Jahrhunderts im Lichte der Programmmusikdebatte immer lauter werdenden Einwände, nach denen die vom Sonatensatzmodell oktroyierte Wiederkehr des Anfangs der dramatischen Plausibilität der Form von vornherein den Garaus mache, so rückt eine Verbindung zu Mahlers Symphonik mit all ihrer impliziten oder expliziten Programmatik – oder gar ihrer ebenso mal impliziten, mal expliziten Textgebundenheit – in noch weitere Ferne.

Gleichwohl erweist die schier uferlose Masse der Mahler-Literatur: die Sonatensatzform ist auch aus der Mahler-Analyse nicht wegzudenken, sei es als begradigende Pflichtübung, als Notbehelf in Ermangelung einer Alternative – oder aber doch als ein erkenntnisförderndes Verständnisvehikel. Letzteren Fällen, in denen sich Mahlers Symphoniesätze als Teil einer Sonatensatz-basierten Gattungstradition zu erkennen geben, gilt der Vortrag: An welchen Stellen, auf welche Weisen, mit welcher Absicht und mit welchen Konsequenzen setzt Mahler tatsächlich ein «Sonatendenken» immer wieder in Gang, und welche Rolle fällt dabei den Reprisen zu?

 

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