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Humboldt-Universität zu Berlin - Medienwissenschaft

Zeitkritische Medienprozesse

Ein Workshop zur chrono-logischen Bestimmung der Neuen Medien

am Seminar für Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.

Termin: Do, 20. - Fr., 21. April 2006
Ort: Seminar für Medienwissenschaft, HU-Berlin, Sophienstraße 22a
Wissenschaftliche Leitung: Wolfgang Ernst, Axel Volmar

Im Angesicht einer Gegenwart, in der Computerprozessoren physisch auf immer kleineren Raum zusammenschrumpfen und in der komplexe Rechengänge in immer kleineren Zeiträumen echtzeitnah ausgeführt werden, ist die Bestimmung und Analyse zeitkritischer Prozesse eine wesentliche Aufgabe aktueller Medienwissenschaft. In diesem Sinne versteht sich der Workshop anlässlich der Aufnahme des Forschungsschwerpunkts Zeitkritische Medienprozesse am Seminar für Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin im Wesentlichen als ein Strategietreffen zur medientheoretischen Erforschung von Zeitkritik, hier insbesondere verstanden als mediale Archäologie der Parameter t im Analogen und [n] im digitalen Raum.

Zeitkritische Medienprozesse bilden ein begriffliches Feld, das von Schlüsselbegriffen wie Synchronisation, Takt, Quantisierung, Rückkopplung und Echtzeit aufgespannt wird. Es gilt zu klären, wo diese Schlüsselbegriffe im Zusammenhang mit den Neuen und neuesten Medien auftauchen und wie sie miteinander wechselwirken. Das bedeutet, zeitkritische Prozesse von ihrer operativen, technisch-mathematischen Basis aus zu denken und sie von dort aus im medientheoretischen Diskurs zu verorten.

Zeitkritische Prozesse spielen nicht nur bei der Architektur von Echtzeit-Betriebssystemen in der Informationstechnik (time-critical applications, time-critical systems) eine zentrale Rolle, sondern führen ebenso zu Kernfragen in der modernen Physik (bspw. auf dem Gebiet der Quanteninformation), bestimmen das globale Finanzwesen (online-brokerage) oder bilden eine wesentliche Ebene für die künstlerische Auseinandersetzung mit technischen Medien. So sagt der Videokünstler Gary Hill über seine Arbeit: Time, this is what is central to video, it is not seeing as its ethymological roots imply. Video’s intrinsic principle is feedback.

Als geeigneter Ausgangspunkt für die Analyse erscheint die begriffliche wie systematische Unterscheidung zwischen zeitkritischen und lediglich zeitbasierten Medien zu sein, um den Begriff des Zeitkritischen zunächst in einem Prozess der Abgrenzung näher zu bestimmen.

Ein zweites Feld bildet die Auslotung des Echtzeit-Begriffs. Echtzeitverarbeitung findet statt, wenn die Outputs in Abhängigkeit der Sinne, die sie adressieren als Sequenzen diskreter Taktraten ausgegeben werden und durch die Gleichzeitigkeit von Verarbeitungsgeschwindigkeiten den Eindruck einer kontinuierlicher Zeitflüsse erzeugen können. Zeitkritische Operativität sinnlicher Datenströme spielt sich oberhalb von Samplingraten und Bildwiederholfrequenzen ab bzw. gerade in den minimalen Zwischenräumen oder Zeitfenstern.

Der zeitkritische Aspekt bei der Betrachtung von Rückkopplungssystemen scheint wiederum in der Frage nach der Herstellung bzw. Herstellbarkeit von Gegenwart als Homöostase von Ein- und Ausgabe (z.B. grafische Benutzeroberflächen, Videospiele, virtuelle Räume) zu bestehen.

Der Workshop dient in erster Linie zur Orientierung in einem chrono-logischen medientheoretischen Denken sowie als aktive Möglichkeit, die Bandbreite eines solchen Denkens zu veranschaulichen.

Programm

Programm als PDF zum Download.

Donnerstag, 20.04.06

14.00h

Begrüßung und thematischer Überblick (Axel Volmar)

Die Frage nach dem Zeitkritischen (Wolfgang Ernst)

14.30h

Martin Carle: Emulation, Simulation und Präemptivität

15.10h

Julian Rohrhuber: Live Coding zwischen Imagination von Distanz und dem Phantasma der Unmittelbarkeit

15.50h

Philipp v. Hilgers: Infrared-Room

Kaffeepause

16.50h

Axel Volmar: Zeit-Räume der Signalverarbeitung

17.30h

Christina Vagt: Zeitkritische Bilder

Pause

19.00h – Abendvortrag

Friedrich Kittler: Blitz und Serie – Ereignis und Donner

Freitag, 21.04.06

10.00h

Jens Papenburg: Das Distinkt-Dunkle: Meeresrauschen, kleine Perzeptionen, Medienmusik

10.40h

Maarten Bullynck: Synchrones Rechnen

11.20h

Christof Windgätter: Zeit/Schriften

12:00h–13.00h

Kaffee- und Mittagspause

13.00h

Christoph Rosol: Kollisionen: Wo RFID kritisch wird

13.40h

Jan Behnstedt: 19. Oktober 1987: Black Monday, White Noise

14.20h

Sebastian Döring: Verschränkte Existenz. Kanal und Rauschen in der Quantenteleportation

Kaffeepause

15.30h – Podiumsdiskussion und Kommentierung des Workshops:

„Perspektiven der Zeitkritik“ – Wolfgang Ernst im Gespräch mit Sebastian Klotz und Stefan Heidenreich